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Einführung Das
Scheitern der EU-Verfassung nach dem französischen Non und dem niederländischen
Nee im Jahre 2005 bedeutet wie jede Krise auch eine Chance, die Chance nämlich,
unvoreingenommen Bilanz zu ziehen. Die Ergebnisse der Abstimmungen hatten gewiss
viele Gründe. Klar aber ist, dass die große Mehrheit der Bürger - und hier
sprachen die Franzosen und Niederländer auch für ihre Mitbürger in anderen
EU-Ländern - gegen den anscheinend unaufhaltsam dahinrasenden Erweiterungszug
revoltierten. 1992 bestand Europa noch aus zwölf Mitgliedstaaten, seit dem 1.
Mai 2004 sind es 25, bald sollen es 27, ja schließlich 30 und noch mehr werden.
Neben den vielen Problemen, die dieses rasche Anwachsen mit sich bringt, und den
tief sitzenden Ängsten, die es bei den Menschen auslöst, stellt sich die
Frage, wie ein solches Europa eigentlich noch zu steuern sei? Voraussetzung für
die Erweiterung sind institutionelle Reformen, die der Verfassungsvertrag,
zumindest zum Teil, bringen sollte. Das war allgemeine Überzeugung. Aus diesem
Grund wollte man nach dem kläglichen Ergebnis von Nizza eine europäische
Verfassung schaffen. Nach
ihrem Scheitern ist nun die Vorbedingung für die Erweiterungen entfallen. Schon
aus diesem Grund ist ein Innehalten das erste Gebot, das aus den
Volksabstimmungen folgt. Das ließe sich auch durchaus bewerkstelligen, selbst
in Bezug auf Bulgarien und Rumänien. Die Kommission und der Rat müssen nur die
Bedingungen ernst nehmen, die für den Beitritt gelten. Doch darauf verzichteten
sie bereits bei dem Beitritt der Zehn im Jahre 2004. Die Bürger fühlen sich über
den Tisch gezogen und haben den Glauben an die Unvoreingenommenheit der
EU-Organe verloren. Hier zeigt sich exemplarisch das Zentralproblem der EU, das
sie das Vertrauen der Bürger gekostet hat: Sinn, Ziel und Grenzen dieses
wunderbaren und zugleich monströsen Projekts Europa sind nur noch hinter
Nebelschwaden zu erahnen. Klare Konturen fehlen. Das hält die Europamaschinerie
aber nicht auf, ja es scheint sie gerade im Gegenteil zu veranlassen, immer
weiter und immer schneller zu laufen, auch wenn die Richtung immer weniger überzeugt.
Bewegung wird zum Selbstzweck. Innehalten erscheint den Akteuren bereits als Rückschritt.
Das erinnert an Mark Twains Bemerkung über eine Gruppe von Menschen, die sich
im Urwald verirrt hatten: »Als sie die Richtung verloren hatten, verdoppelten
sie die Geschwindigkeit.« So
gewinnt der Bürger den Eindruck eines Aktionismus, der vor allem bezweckt, von
den vielen Mängeln und Fehlentwicklungen der EU abzulenken: der Überbürokratisierung,
der Verschleuderung von Milliarden für eine unsinnige Agrarpolitik und eine
zweifelhafte Strukturpolitik, dem Sumpf von Betrug und Korruption, gegen deren
Aufdeckung sich der Brüsseler Korpsgeist mit allen Mitteln zur Wehr setzt. Vor
allem aber steht die EU für die Aufweichung überkommener Prinzipien, die
Grundanforderungen an alle öffentliche Gewalt markieren: Das viel beschriebene
Demokratiedefizit der EU sehen wir heute in einem neuen Licht. Hinzu kommt die
Erosion der Rechtsstaatlichkeit, wie sie sich etwa im europäischen Haftbefehl
zeigt, den das Bundesverfassungsgericht entschärfen musste. Die Beeinträchtigung
jener Prinzipien schien noch nicht wirklich gravierend, solange Europa sich im
Aufbau befand, keine großen Kompetenzen besaß und zudem in den Mitgliedstaaten
Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum herrschten, so dass selbst
zweifelhafte europäische Lasten tragbar erschienen. Doch diese Zeiten sind
Geschichte. Heute betreffen die Auswirkungen europäischer Verordnungen und
Richtlinien Unternehmen und Bürger immer und überall. Die Lasten drücken
immer mehr, vor allem natürlich die sogenannten Nettozahler, zu denen
Deutschland gehört. Umso mehr fällt ins Gewicht, dass die Mängel nicht durch
entsprechende Vorteile aufgewogen werden. Deutlich wird das etwa beim Fehlen
einer effektiven gemeinsamen Außenpolitik der EU, wie sich besonders eklatant
erst im Kosovo-Konflikt, dann in der Irak-Krise zeigte. Vielmehr verstärkt sich
der Eindruck, es ginge den europäischen Akteuren vor allem um ihre eigenen
Interessen an Macht, Posten und Geld. Die Besetzung der europäischen Pfründen
und die Versorgung von europäischen Amtsträgern, Abgeordneten und Beamten,
einschließlich der Finanzierung von Parteien und Fraktionen, erteilt hier
regelmäßigen Anschauungsunterricht. Das
Nein bei den Volksabstimmungen und das anschließende Desaster beim Brüsseler
Gipfel vom Juni 2005 haben mit einem Schlag für jedermann deutlich gemacht,
dass etwas faul ist in der Europäischen Union. Europa ist in schlechter
Verfassung. Das Kernproblem besteht darin: In der europäischen Politik hat
bisher eine kleine Zahl von Politikern über die Köpfe der Bürger hinweg
entschieden. Die Bürger aber haben ein untrügliches Gespür dafür, dass die
politische Klasse dabei zuallererst an ihre eigenen Belange denkt und nicht an
die Interessen, Wünsche und Ängste
der Menschen. Die Durchsetzung der Eigeninteressen wird durch die für Europa
typische mangelnde öffentliche Kontrolle erleichtert. Ob die für einen
zusammenwachsenden ganzen Kontinent erforderliche europäische Identität in den
Herzen der Menschen vorhanden ist oder ob das zarte Identitätspflänzchen nicht
gerade durch überstürzte Erweiterungen mit Völkern ganz unterschiedlicher
geschichtlicher, politischer und kultureller Erfahrungen, durch Überregulierung
und die Selbstbedienung aus EU-Töpfen aufs Höchste gefährdet wird, dieser
Grundfrage ist die europäische Elite bisher ausgewichen. Über der
fortschreitenden Erweiterung nach außen und Vertiefung nach innen wurde das
erforderliche demokratische Pendant sträflich vernachlässigt: die Erweiterung
um die Menschen und die Vertiefung in den Köpfen und Herzen der Bürger
Europas. Die
europäische Idee ist zwar nach wie vor bestechend. Doch hat die Sicherung des
Friedens nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und dem Ende der politischen,
wirtschaftlichen und ideologischen Spaltung Europas in den Augen der Menschen an
Dringlichkeit verloren. Der Beginn der europäischen Einigung war auch eine
Antwort auf den Ost-West-Konflikt und bezog daraus einen guten Teil ihrer
Legitimation. Natürlich stellt Frieden auch heute noch ein hohes Gut dar. Aber
es ist nicht mehr klar, warum man dazu ein immer größeres und bürokratischeres
Europa braucht. Auch die andere große Verheißung, mehr Wohlstand, bringt man -
angesichts der Massenarbeitslosigkeit - schwerlich in einen positiven
Zusammenhang mit Europa, zumal dafür ohnehin die nationale Politik die
Hauptverantwortung trägt. Alle diese Ziele sind zweifellos wichtig. Doch
erscheinen eben dafür viele Pläne und Aktionen der europäischen Organe völlig
überflüssig. Die
heutigen Probleme der Europäischen Union kann man letztlich nur vor dem
Hintergrund ihrer Entwicklungsgeschichte verstehen. An der Wiege der Europäischen
Gemeinschaften stand die Vorstellung Pate, das Ziel der europäischen Einigung
sei unbestritten gut, weil es Frieden, Wohlstand und erfolgreiches Sichbehaupten
gegenüber dem kommunistischen Imperialismus versprach. Ein vereinigtes Europa
bildete ein politisches Axiom, einen nicht mehr in Frage zu stellenden übergeordneten
Lehrsatz, der, dem politischen Streit entzogen, keines Beweises mehr bedarf -
auch keiner demokratischen Legitimation. Bei diesem Ausgangsverständnis kam es
offenbar nur auf die möglichst wirksame Entfaltung und Durchführung jenes
Axioms an. Das wiederum schien eine vornehmlich technokratische Aufgabe zu sein,
zu deren Durchführung Expertengremien benötigt wurden, die unabhängig und nur
der europäischen Idee verpflichtet sein sollten: die Europäische Kommission
und der Europäische Gerichtshof (und später die Europäische Zentralbank).
Ideologisch untermauert wurde dieser Ansatz durch bestimmte wissenschaftliche
Theorien, nach denen das geistig-kulturelle Zusammenwachsen der Menschen zu
einer wirklichen Gemeinschaft, die Entstehung eines europäischen Wir-Gefühls
und einer europäischen Identität, sich als Folge des gemeinsamen
wirtschaftlichen Marktes und der Nationen übergreifenden Aktivitäten europäischer
Organe quasi von selbst einstellen würde.1 Ein
Parlament erschien ebenso überflüssig wie ein Volk. Das Parlament wurde als
eher störend empfunden, weil man befürchtete, es würde nationalen Belangen
und Gruppeninteressen zu großen Einfluss verschaffen, also das Ziel beeinträchtigen,
dessentwegen die Kommission ja gerade als unabhängiges Expertengremium
installiert worden war. Dementsprechend war das Europäische Parlament, das im
EWG-Vertrag von 1957 noch als bloße »Versammlung« bezeichnet worden war, bis
1979 gar kein von den Bürgern gewähltes Parlament und hatte praktisch keine
Entscheidungsbefugnisse. Die scheinbar völlige Unangefochtenheit der europäischen
Einigungsidee rückte den einen Fundamentalsatz der Demokratie, das Regieren für
das Volk, fast zwangsläufig derart in den Vordergrund, dass die beiden anderen
Fundamentalsätze, das Regieren des Volkes durch das Volk, im
Dunkel des Hintergrundes praktisch verschwanden. Es kam scheinbar nur auf die
erwünschten politischen Resultate an. Ob das Volk daran mitgewirkt hatte, ja ob
ein europäisches Volk überhaupt existiert, erschien nebensächlich. So
war es auch nur konsequent, dass man die eigentliche Regierungsmacht - neben der
Kommission - am besten in der Hand des Rates, eines allein aus den Regierungen
der Mitgliedstaaten bestehenden Gremiums, aufgehoben sah. Europa wurde also
anfangs ganz gezielt rein gouvernemental organisiert. Das
Volk kam genauso wenig vor wie bei Friedrich dem Großen oder irgendeinem
anderen Monarchen des aufgeklärten Absolutismus. Friedrichs Ausspruch »Ich bin
der erste Diener meines Staates«, den etwa auch Otto von Bismarck
unterschrieben hätte, passt in vollem Umfang auch auf die Kommission, die nach
ihrem Selbstverständnis, ganz analog, als erste Dienerin Europas fungiert,
unabhängig und nur dem Wohl der Europäischen Union verpflichtet. Und der
Bundesrat Bismarcks, in dem die monarchischen Regierungen saßen, ohne deren
Zustimmung kein Reichsgesetz verabschiedet werden konnte, besitzt durchaus eine
gewisse Ähnlichkeit mit dem Europäischen Rat, nur dass dieser noch mächtiger
ist, weil er zusätzlich auch noch Regierungsfunktionen wahrnimmt, ihm kein
gleichwertiges Parlament gegenüber steht und er sich nicht gegenüber einem
europäischen Volk verantworten muss. Hinter
diesem Ausblenden des Volkes als eines politischen Akteurs stand ein
paternalistisches Grundverständnis, das anfangs die Bundesrepublik Deutschland
genauso beherrschte wie das Frankreich der V. Republik, also die beiden
wichtigsten Gründerstaaten der Europäischen Gemeinschaften. Die Väter des
Grundgesetzes meinten, der bundesrepublikanische Staat müsste geradezu vor dem
deutschen Volk geschützt werden - man erinnere sich an das berühmt-berüchtigte
Wort von Theodor Heuss im Parlamentarischen Rat: » cave canem«, womit er das
Volk meinte -, weil man ihm die Schuld an der Machtergreifung Hitlers in die
Schuhe schob. In Wahrheit waren es die politischen Parteien gewesen, die am 23.
März 1933 im Reichstag das Ermächtigungsgesetz mit großer Mehrheit
beschlossen hatten und damit Hitler »ganz legal« an die Macht brachten. In ähnliche
Richtung gingen die Vorstellungen de Gaulles und seiner Mitstreiter, der
Inspiratoren der Verfassung der V. Republik von 1958, die ausgesprochen
gouvernemental konstruiert ist. Bei diesem Ausgangsverhältnis meinte man bei
der Konzeption Europas ebenfalls, man könne das Volk außen vor lassen, zumal
die Befugnisse der Europäischen Gemeinschaften und ihrer Organe zunächst ja
auch ziemlich begrenzt waren. Dem
Verzicht auf ein europäisches Volk und eine europäische Identität konnte in
den Augen der Europamacher sogar noch eine positive Seite abgewonnen werden.
Identität impliziert stets auch die Gefahr der Ausgrenzung von
Nichtidentischem. Der Mangel an Identität erleichtert es, alle und jeden in die
Gemeinschaft aufzunehmen. Die technokratische Ausgestaltung schien es der EU zu
ermöglichen, sich unbegrenzt zu erweitern - nach innen wie nach außen. Auch
als dem Europäischen Parlament allmählich neue, zusätzliche Befugnisse
gegeben wurden, blieb das europäische Gemeinschaftsgefühl, das sich durch den
staatenübergreifenden gemeinsamen Markt und die 1979 eingeführten sogenannten
Direktwahlen entwickeln sollte, unterbelichtet. Die Aufwertung des Parlaments
erfolgte zwar im Namen des Demokratieprinzips. Doch unterschlug man dabei, wie
wenig das Parlament eigentlich für eine demokratische Europapolitik legitimiert
ist: Das Parlament wird nach inzwischen 25 von Staat zu Staat höchst
unterschiedlichen Wahlsystemen gewählt, und das Stimmengewicht der Bürger
zeichnet sich durch extreme Ungleichheit aus. Jeder Luxemburger hat praktisch
elfmal so viele Stimmen wie ein Deutscher und kann auch die Auswahl der
Abgeordneten mitbestimmen, die ihn im Europäischen Parlament repräsentieren
sollen, während deutsche Wähler nur die eine oder andere Partei ankreuzen und
damit nur die Zahl ihrer Mandate mitbestimmen können, nicht aber die Personen,
auf die sie entfallen. In dieser institutionellen Weichenstellung wurzelt eine
fundamentale europäische Fehlentwicklung: das Missverhältnis zwischen der
transnationalen Konzeption und Funktion des Europäischen Parlaments einerseits
und seiner nationalen Legitimation andererseits. Angesichts der rein national
organisierten Wahlen werden auch die Wahlkämpfe von nationalen Themen
dominiert. Europäische Fragen kommen beinahe nie zur Sprache. Dementsprechend
gering ist auch die Legitimation des Parlaments für die ihm eigentlich
obliegende Europapolitik. Der Charakter der Wahlen als eurodemokratischer
Integrationsakt, den sie eigentlich haben sollten, wird durch das Wahlsystem
selbst unterminiert. So konnten sich weder wirkliche Europaparteien noch eine
europaweite Öffentlichkeit entwickeln. Erst
die niederschmetternden Abstimmungen in Frankreich und den Niederlanden über
den Verfassungsvertrag im Jahre 2005 haben dem überkommenen Ausgangsverständnis
einen Schuss vor den Bug gesetzt, indem sie unübersehbar signalisierten, dass
die ganze bisherige Konzeption brüchig geworden war. Die vernachlässigten und
ausgeblendeten Völker, über deren Köpfe hinweg man bisher Europa konstruiert
hatte, meldeten sich unüberhörbar zu Wort. In
Wahrheit hatte das ungebremste europäische Weiter-so schon vorher an Gewissheit
verloren. Bloß schenkte man dem anschwellenden Strom der Indizien nicht die gehörige
Beachtung: Die Unterstützung für die europäische Integration bricht seit Ende
der achtziger Jahre ein, auch wenn die Kommission versucht, mit methodisch
zweifelhaften Umfragen ein geschöntes Bild zu zeichnen. Die Beteiligung an den
Wahlen zum Europäischen Parlament geht seit Jahrzehnten zurück und erreichte
2004 ein historisches Tief. Europagegner haben starke Stimmengewinne zu
verzeichnen. Begünstigt wurde der Übergang zu einem selbstbewusst-kritischeren
Verständnis auch durch den Wandel der politisch-wirtschaftlichen Großwetterlage:
Nach dem Wegfall des Ost-West-Gegensatzes war die Legitimation des »europäischen
Monsters« vermehrt in Frage gestellt worden. Das gilt umso mehr, als viele
behaupten, Europa sei für die vorherrschende Arbeitslosigkeit und das
nachlassende Wirtschaftswachstum mit verantwortlich, was insofern nicht ganz
falsch ist, als der Anspruch des Lissaboner Gipfeltreffens vom März 2000,
Europa zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen, bisher kaum
mehr als eine Fata Morgana geblieben ist. Das
Entstehen einer selbstbewusst-kritischen Haltung beruht letztlich auf dem
gleichen Effekt, der auch innerstaatlich etwa in Deutschland zu beobachten ist
und dazu geführt hat, dass wir die Schwachstellen unserer eigenen Demokratie
mit größerer Klarheit erkennen und ihr deshalb kritischer gegenüberstehen.
Nur sind die Schwachstellen der Europäischen Union noch sehr viel größer. Europa
ist von Anfang an ein Geschöpf der Eliten. Sie waren es auch, die mit ihrer
allezeit zur Schau gestellten Europaeuphorie, zumindest in Deutschland, lange
jede Kritik an Europa als politisch inkorrekt unterdrückt haben. Das gilt nicht
nur für die politische Klasse und die Wirtschaft, sondern auch für die
Wissenschaft, vor allem für die Politikwissenschaft und die
Europarechts-Wissenschaft. Es gilt darüber hinaus in starkem Maße auch für
die Journalisten in Brüssel und Straßburg, also diejenigen, die die veröffentliche
Meinung über Europa weitgehend prägen. Das Zusammenwirken der Eliten beim
Abblocken von Kritik an Europa zeigte sich beispielhaft auch vor der
Volksabstimmung in Frankreich: Die Regierung, das Gros der Parteien in der
Nationalversammlung, die Wirtschaft, alle landesweiten Medien und hochrangige
Politiker anderer Mitgliedstaaten warben für ein »Oui« - trotz allem am Ende
vergeblich. Und nun plötzlich entdeckten auch die Politiker, zumindest für
einige Zeit, die Bürger wieder, allen voran Tony Blair in seiner Antrittsrede
als Ratspräsident vor dem Europäischen Parlament am 1. Juli 2005: »Es
ist an der Zeit zu erkennen, dass Europa seine Stärke, seine Relevanz, seinen
Idealismus und damit auch seinen Rückhalt in der Bevölkerung nur wieder
gewinnt, wenn es sich verändert. Und wie immer sind die Bürger
den Politikern voraus.«
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