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Colloquium C 409: Geschichte der europäischen Universität

dienstags, 08.45 - 10.30, Hörsaal 1, Beginn 09.11.2010

Weiterführende Links

Zur Thematik des Colloquiums
"Geschichte der europäischen Universität"

Die europäische Universität entstand, als Organisation gesehen, vor über 800 Jahren als ein besonderer und selbstverwalteter Rechts- und damit auch Freiheitsraum der Lehrenden und Lernenden. In der Sache, der Wissenschaft, ging es noch bis weit in die Frühe Neuzeit hinein um eine rezipierende und interpretierende Aneignung von 'heiligen Schriften' (Bibel, Römisches Recht, naturkundliche Texte der Griechen und Römer) und noch nicht um 'Forschung' in unserem Sinne der Suche nach Neuem, die die Autoritäten überwindet. Das ist erst ein relativ junges Phänomen.

Die Organisation von universitärer Wissenschaft veränderte sich durch eine erste 'Verstaatlichung' der Universitäten seit der Reformation und parallel dazu durch ihre Provinzialisierung. Im 18. Jahrhundert setzte der Übergang von der Lehrsprache Latein zur Muttersprache ein und löste den europäischen Gleichlauf der Entwicklungen weiter auf.

Die Aufklärung fragte dann dezidiert nach dem Nutzen von Wissenschaft für die Praxis: sind nicht anwendungsorientierte Spezialhochschulen besser als Universitäten? Die dem entsprechende Aufgabenteilung zwischen "Grandes Ecoles" und Universitäten bestimmt das Wissenschaftssystem in Frankreich entscheidend bis heute. Die Gründung der Berliner Universität durch Humboldt setzte dezidiert anders an – im Sinne der der 'Bildung' der Persönlichkeit durch Begegnung mit Wissenschaft. Daran orientiert, strahlte die preußische Universität aus in den deutschsprachigen Raum, in dem eine eigene Art übernationalen Netzwerks an die Stelle des aufgelösten europäischen trat. Im angelsächsischen Raum wurde besonders die deutsche Forschungsorientierung zum Vorbild für Neugründungen in den USA.

Immanente Grenzen des Humboldtschen Modells zeigten sich jedoch schon im 19. Jahrhundert im preußischen "System Althoff", dem ersten professionellen staatlich-administrativen Wissenschaftsmanagement, im Übergang zur Wissenschaft und Forschung als "Großbetrieb" und in der schnellen und intensiven Zerstörung aller gewachsenen universitären Strukturen durch den Nationalsozialismus.

Ziel des Colloquiums ist, wichtige europäische Traditionen des Wissenschaftsbetriebs und seiner Organisation in langfristiger Perspektive zu verdeutlichen. Es will damit zur Reflexion der langjährigen eigenen Erfahrungen mit der Universität anregen. Zielgruppe sind deshalb alle Hörer, die sich für die Geschichte des Systems von Universität und Wissenschaft interessieren, keineswegs nur solche mit dem Schwerpunkt "Wissenschaftsmanagement".

Ich kündige die früher als Vorlesung konzipierte Veranstaltung als Kolloquium an, um noch mehr Lust auf Fragen zu wecken.

Zum Plan von Vorlesung/Colloquium (PDF)

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Stand: 25.08.2010

 

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