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DEUTSCHE HOCHSCHULE FÜR VERWALTUNGSWISSENSCHAFTEN
SPEYER
und Gesellschaft für Informatik e.V., Fachbereich 6, Informatik in Recht und öffentlicher Verwaltung |
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Regieren und Verwalten im Informationszeitalter:
Unterwegs zur virtuellen Verwaltung
68. Staatswissenschaftliche Fortbildungstagung
vom 15. bis 17. März 2000
Große Frühjahrstagung an der DHV
Eröffnung mit Herzog und Glotz
Mehr als 420 Teilnehmer konnte heute die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer zu ihrer traditionellen Frühjahrstagung unter dem Motto „Regieren und Verwalten im Informationszeitalter – Unterwegs zur virtuellen Verwaltung“ begrüßen. Eröffnet wurde die Veranstaltung, die noch bis Freitag dauert und unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. Dr. Heinrich Reinermann steht, von Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog und dem St. Gallener Universitäts-Professor Dr. Peter Glotz.
Der Rektor der Hochschule, Univ.-Prof. Dr. Hermann Hill, begrüßte zur Eröffnung die Vertreter aus Bund und Ländern, der Stadt Speyer und privaten Unternehmen sowie aus neun Staaten der Erde. In den vergangenen sechs Monaten sei die Zahl der Internet-Nutzer um 56 Prozent gestiegen. Das zeige, wie top-aktuell das Thema der Tagung sei. Bald sei möglicherweise ein „Bürgerrecht auf Online-Zugang“ denkbar. Durch die Angebote der Verwaltung im Internet verändere sich aber auch die Erwartungshaltung der Bürger in Bezug auf Öffnungszeiten, Dienstleistungen und Wartezeiten. Auch die Hochschule bleibe hier am Ball: Geplant sei ein Mix aus Selbststudium mit online-Lernphasen und persönlichem Kontakt, erklärte Hill. Sein Aufruf: „Come to Speyer, wir surfen nicht nur, wir machen die Wellen“.
Dem Thema „Der Staat im Cyberspace: Die Rolle des öffentlichen Sektors im Zeichen globaler Vernetzung“ widmete sich Ex-Bundespräsident Herzog in seiner Rede. „Die moderne Gesellschaft ist dynamisch. Entwicklungen gehen schnell voran, wobei man kaum sagen kann, wohin sie gehen“, erläuterte Herzog. „Kein Land ist mehr fähig, den eigenen Kurs der Entwicklung zu steuern. Dabei gibt es gewisse Tempo-Unterschiede“, sagte Herzog. Nun stelle sich die Frage, wie sich die Menschheit in der Übergangsphase zur neuen globalen Gesellschaft verhalten solle. Gelingt es der westlichen Welt, ihre Erfahrungen auch anderen Kulturen nahe zu bringen, wie etwa eine Menschenrechts- oder allgemeine Friedensordnung? Er habe die Erfahrung gemacht, dass bestimmte Regionen wie etwa asiatische Länder die westliche Technik und Produktionsziele übernähmen, mit der Gefahr, ihre über Jahrtausende gewachsene Identität einzubüßen. Umgekehrt müsse die deutsche soziale Marktwirtschaft immer mehr mit Systemen konkurrieren, die der reinen Marktwirtschaft dienen und ebenfalls westliche Qualitäts-Standards erreicht hätten und dabei ökonomisch durch niedrigere Sozialkosten überlegen seien. „Deshalb muss unsere Produktionstechnik anderen um Pferdelängen voraus sein“, so Herzog. Auch sei es fraglich, ob die deutsche Staatsorganisation dem Entscheidungstempo in der global-vernetzten Welt standhalten könne. Es müssten etwa flachere Hierarchien geschaffen werden. „So wird sich das System nicht mehr lange halten können. Die Verwaltung kann nicht ewig nachhinken. Sie muss ihre Entscheidungsstrukturen grundlegend überdenken“.
Welche Auswirkungen ein globaler „virtueller Kontinent“ haben könnte, erläuterte Glotz. Durch die neuen Technologien würden einige traditionelle Gewerbe, wie etwa der Buchhandel, verschwinden, so Glotz. Der Manager werde keine Sekretärin mehr brauchen, sondern seine Termine selbst im Internet oder Notebook verarbeiten. Die tägliche Arbeit werde künftig auch per Laptop von Spanien aus geleistet werden können. Vorteile der globalen Vernetzung sieht Glotz auch in der Politik: Die Abschottung von Diktaturen würde erschwert, „die Macht die Goebbels damals hatte, wäre heute nicht mehr möglich“. Zwar verböten einige Staaten noch immer ihren Bürgern den Internet-Zugang „doch das wird nicht haltbar sein“. Für den Staat stelle sich das Problem, flexibel reagieren zu müssen. Dass das repräsentative System etwa durch Computerabstimmungen ausgehebelt würde, hält Glotz hingegen für unwahrscheinlich. Deshalb sollte man der neuen Entwicklung weder mit Verdammnis noch mit zu großer Euphorie begegnen. „Es wird weder ein neues athenisches Zeitalter geben, noch wird die repräsentative Demokratie zu Grunde gehen“.
Am Nachmittag sprach unter anderem Staatssekretär a.D. Dr. Thilo Sarrazin zum Thema „Wie sich die private Wirtschaft eine öffentliche Verwaltung im Informationszeitalter wünscht.“ Und Staatssekretärin Brigitte Zypries vom Bundesministerium des Innern referierte über das Verhältnis von Bürger, Politik und Verwaltung im Informationszeitalter.
Weitere Referenten werden Einblicke in Rechtsfragen der Informationsgesellschaft, die Rolle digitaler Signaturen und die Sicherheit von Verwaltungsinformationssystemen geben. Außerdem geht es um den Einfluss der neuen Informationstechniken auf die Struktur und Organisation der Verwaltung. Wie sie sich im öffentlichen Dienst auswirken, wird die Ministerin für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes, Dr. Regina Görner, untersuchen. Abgerundet wird die dreitägige Veranstaltung mit Beiträgen zum Management von Wissen und Technik sowie einem Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, über die Effizienzrevolution in der öffentlichen Verwaltung. Weitere Höhepunkte sind fünf Panels zu aktuellen Schwerpunktthemen von Informationstechnik und Verwaltung, nämlich „V24: Verwaltung 24 im internationalen Webtest“, „Digitale Signaturen“, „Cyberspace und Cybercrime“, „Die Rolle der Rechenzentren“ und „Elektronische Vorgangsbearbeitung“.
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