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DEUTSCHE HOCHSCHULE FÜR VERWALTUNGSWISSENSCHAFTEN
SPEYER
und Gesellschaft für Informatik e.V., Fachbereich 6, Informatik in Recht und öffentlicher Verwaltung |
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Regieren und Verwalten im Informationszeitalter:
Unterwegs zur virtuellen Verwaltung
68. Staatswissenschaftliche Fortbildungstagung
vom 15. bis 17. März 2000
Behördengang per Internet ist in zehn Jahren Realität
Die Bundesbürger werden nach Expertenschätzung in spätestens zehn Jahren alle Behördenangelegenheiten, wenn sie dies wollen, vom heimischen PC aus erledigen können. Wenn der vielbeschworene Ruck durch die Gesellschaft gehe, könne dies auch eher der Fall sein, sagte der Professor für Verwaltungsinformatik, Heinrich Reinermann, der dpa am Mittwochabend in Speyer. „Das Problem ist, die Idee umzusetzen, die Arbeit zu leisten, die nötig ist“.
In der virtuellen Welt lassen sich die komplizierten Verwaltungsstrukturen besser aufeinander abstimmen und stärker mit einander vernetzen, forderte Reinermann. Deutschland stehe diesbezüglich noch am Anfang und sei „im internationalen Vergleich ein wenig zurück.“ „Das ist der Punkt, der angegangen werden muss“, sagte der Experte, der an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer lehrt. Dort tagen Experten noch bis Freitag zum Thema „Regieren und verwalten im Informationszeitalter.“
Der Gang zur Behörde via Internet führt über sogenannte Portale, das sind Einstiege in bestimmte Themengebiete der virtuellen Verwaltungswelt. Diese können auf bestimmte Anforderungen – etwa alle Verwaltungsangelegenheiten im Zusammenhang mit der Begleichung von Lohn-, Grund- oder Kfz-Steuer – zugeschnitten werden. Der Benutzer könne sich innerhalb des Ausschnitts weiterbewegen und entscheiden, ob er sich nur informieren oder auch kommunizieren und Transaktionen vornehmen wolle.
„Was man mit dem Portal anstrebt, ist, dass man auf dem Bildschirm ein Problem abwickelt“, erläuterte Reinermann. Dafür müssten aber die Strukturen der Verwaltung auf einander abgestimmt werden. Er zeigte sich optimistisch: „Man wird überall solche Portale haben“, sagte er. Lebenssituationen wie Bauen, Wohnen, Soziales und Arbeit.“ Zudem werde die Vernetzung zwischen den Verwaltungen sowie zwischen Verwaltung und Wirtschaft zunehmen.
Mit der Abwicklung per Internet sind nach Reinermanns Ansicht große Vorteile für Bürger und Staat verbunden. Ein solches Verfahren sei bürgernäher, weil sich die Bevölkerung leichter über öffentliche Angelegenheiten informieren könne. „Das hat etwas zu tun mit Partizipation“, sagte Reinermann. Außerdem würden Kosten eingespart, weil mit der Abstimmung der Verwaltungseinheiten viel Doppelarbeit wegfalle. Diese kostendeckende Maßnahme sei gut für den Staat, der mit seinen Steuersätzen im internationalen Wettbewerb stehe.
Nach Reinermanns Ansicht sollte aber niemand gezwungen werden, seine Behördenangelegenheiten über Internet abzuwickeln. Die Amtsstube solle als Anlaufstelle für den Bürger erhalten bleiben. „Wir haben den Vorteil, dass wir in Deutschland eine gute und dichte Kommunalverwaltung haben, beispielsweise die Bürgerämter. Das ist eine wunderbare Infrastruktur für den menschlichen Umgang.“ Die Politik sei „gut beraten“, wenn sie – anders als die Banken – darauf verzichte, ihre Filialen zu schließen.
Als besonders fortschrittlich bei der Einrichtung elektronischer Zugänge zur Verwaltung nannte Reinermann Finnland, Großbritannien und Österreich. Auch in Kanada und einigen Staaten Australiens gebe es u.a. Portale.
(dpa/lrs jr yyrs mb / 161033 Mrz 00)
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