| Es ist kurz vor halb neun. An den runden Tischen im
Grand Ballroom der Westin Seattle sitzen in gespannter Erwartung
dreihundertfünfzig Konferenzteilnehmer aus achtzig Ländern aller
Erdteile. Darunter eine Delegation aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz, hochrangig besetzt mit Persönlichkeiten aus
Politik und Verwaltungsführung des Bundes, der Länder/Kantone
und des Kommunalbereichs. Videoszenen aus Hightech und Kultur auf
vier Megaprojektionswänden, untermalt von südamerikanischen
Rhythmen, verbreiten eine prickelnde Spannung - mit einem solchen
Szenario beginnt seit 1998 in jedem Frühjahr die Government
Leaders Conference in der Industrie- und Geschäftsmetropole des
US-amerikanischen Nordwestens, wo Microsoft und Boeing zu den
Unternehmungen gehören, die maßgebliche Akzente in der
technologischen Entwicklung für die elektronische und physische
Überwindung von Raum und Zeit setzen.
Die Government Leaders Conferences widmen sich unter einem
aktuellen Thema dem Feld und Umfeld des Electronic Governments.
Das Programm drängt sich auf zwei Tage, vollgepackt mit Vorträgen
und Präsentationen, die selbst Frühstück und Mittagessen
begleiten - amerikanische Effizienz, die einem schon den Atem
verschlagen kann. Diese Microsoft-Veranstaltung, die inzwischen
als Mekka des Gedankenaustauschs über E-Government gilt - vermag
sie die hoch gesteckten Erwartungen der Teilnehmer zu erfüllen?
Ja - wenn man sich hier, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten,
Visionen für und von Politik und Verwaltung in der
Informationsgesellschaft erhofft. Auf Amerika, das darf man freimütig
zugeben, richten sich doch noch immer die Blicke, wenn es um
Technologie und Innovation geht. Der „American dream" von
einem Leben in Wohlstand und Glück für jedermann erhofft sich in
unserer Zeit Unterstützung durch die Informationstechnik, weil
sie es ist, die seit Mitte der 1990er maßgeblich die Produktivität
und damit das Wachstum der US-Wirtschaft bestimmt und folglich
Arbeitsplätze, Einkommen und Bedürfniserfüllung ermöglicht. In
Amerika ist man unkomplizierter und wird auch weniger durch
einengende Traditionen gehindert, „den großen Wurf" zu
denken und zu wagen. Der sprichwörtliche „entrepreneurial
mind-set" lässt die Entscheidungsträger immer neue Wege der
Aufgabenerfüllung erkunden. Und Visionen (nicht zu verwechseln
mit Utopien!) sind bei einem Thema wie E-Government unabdingbar -
und zwar in jedem Land, geht es doch darum, ausgestattet mit dem
inzwischen wahrlich ungeheuer großen Potenzial an
Informationstechnologie, neue, ungewohnte Handlungsformen und
Verwaltungsmodelle zu erdenken, wie sie nötig sind, um den
globalen und nationalen Herausforderungen für Staat und
Verwaltung angemessen zu begegnen sowie den Erwartungen und
Wertvorstellungen der Menschen in der Informationsgesellschaft
entsprechen zu können. „Amerika, du hast es besser als unser
Kontinent, der alte, ... dich stören nicht im Innern zu
lebendiger Zeit unnütz Erinnern und vergeblicher Streit" -
dieser Seufzer Goethes in seinen „Zahmen Xenien" (als habe
er schon an die Auseinandersetzungen um neue E-Government-Modelle
gedacht ...) ist zwar heute nicht mehr frei von mentalen
Vorbehalten zu zitieren, aber jedenfalls hat, wer von einer
Government Leaders Conference zurückkehrt, schwungvolle
innovative Anstöße erhalten, wie sie für das Anpacken von
E-Government-Vorhaben zumindest hilfreich, ja eigentlich
unabdingbar sind, und hat wahrscheinlich den Entschluss gefasst,
dass Änderungshindernisse, wie sie sich stets vor Innovationen
auftürmen, doch überwindbar sind.
Die Government Leaders Conference, das ist auch ein Dialog
zwischen dem Technologiekonzern und einem wichtigen Teil seiner
Klientel: Staat und Verwaltung. Softwarekonzepte und -produkte,
sollen sie Erfolg versprechend sein, müssen den
Anwenderbedürfnissen entsprechen. Sie auszuloten, dafür bietet
sich auf dieser Plattform für Gedankenaustausch ebenso
Gelegenheit wie die Vertreter des öffentlichen Sektors ihrerseits
die Technologietrends kennen lernen und mit ihren Anforderungen
auf sie Einfluss nehmen können.
Dass sich hoch gesteckte Erwartungen der Konferenzteilnehmer
erfüllen, liegt weiter daran, dass sich ihnen hier ein Überblick
darüber bietet, was sich global im Umfeld des E-Governments tut.
Auf den Government Leaders Conferences trifft sich ohne
Übertreibung die Welt. Erfolgreiche E-Government-Strategien für
Länder, Regionen und Städte; ausgewählte Anwendungen in den
einschlägigen Politikbereichen; praktikable Vorgehensmodelle und
Projektorganisationsformen; Ziel-, Wert- und Ethikfragen, darunter
Informationsfreiheit, Datenschutz und Urheberrecht oder digitale
Spaltung der Gesellschaft; Bildung und Qualifizierung; Sicherheit
der informationstechnischen Einrichtungen; Bürgerbeteiligung;
E-Democracy - kaum ein Thema fehlt, das von der politischen und
administrativen Führung heute zu bedenken ist, wenn es um
E-Government geht. Vorgetragen wird dieses „globale Benchmarking"
von einer attraktiven Mischung hochrangiger Redner, von Staats-
und Parlamentspräsidenten über Regierungschefs, Minister oder
Oberbürgermeister bis hin zu Top-Experten aus der Technologie und
ihren Anwendungen.
Die pralle Fülle der Programme kann hier nur gestreift werden,
etwa: die Ansätze Britanniens, Frankreichs und Schwedens zu einer
E-Democracy, die Stärkung der Parlamentsarbeit durch eigene
Informationsressourcen in Israel, der kurze erfolgreiche Weg
Taiwans von einer Agrar- zur Hightech-Gesellschaft, das intensiv
genutzte Beschwerdemanagement der brasilianischen Metropole São
Paulo, die informationstechnikgestützte Reform der Hafen- und
Zollverwaltung Dubais, sichere und rechtmäßige Online-Dienste
als Vorhaben des deutschen Bundeslandes Bremen, die Koppelung von
Steuerreform und Informationstechniknutzung durch Wirtschaft und
Finanzverwaltung Australiens, die auf Informationstechnik
abgestützten Vorkehrungen des EU-Beitrittslandes Bulgarien im
Pass-, Steuer-, Zoll- und Sozialversicherungsbereich oder die
vorbildhaften landesweiten E-Government-Strategien des kanadischen
Bundesstaates Alberta und des US-Bundesstaates Pennsylvania.
Die Government Leaders Conference - nach alledem ein
unübertroffener Event, der die Möglichkeit zur weltweiten
Beobachtung eines multinationalen Unternehmens wie Microsoft
entschlossen dazu nutzt, innovative und weiterführende Gedanken
und Ansätze zum E-Government aus allen Teilen der Welt in Seattle
wie in einem Prisma zu bündeln und sie vor einem Publikum
maßgeblicher Entscheidungsträger in Politik und
Verwaltungsführung aus allen Teilen der Welt zur Diskussion zu
stellen. Ein Event übrigens, dessen Ergebnisse allen
Interessierten zur Verfügung stehen. Informationen dazu finden
Sie hier.
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