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6.
Speyerer Qualitätswettbewerb 2002
Kurzbeschreibung
der Speyer-Preisträger
Bürgerorientierung
Stadt
Duisburg (D)
Die
Stadt Duisburg unterliegt bedingt durch die Deindustrialisierung bei
gleichzeitig schwindenden Finanzen einem dramatischen
Strukturwandel.
Trotz
dieser Probleme findet die Verwaltungsmodernisierung in einer solch
überzeugenden Weise statt, dass die Juroren sich entschieden haben,
den Preis in der Kategorie „Bürgerorientierung“ der Stadt
Duisburg zu verleihen.
Die
zentralen Projekte „Büro für Bürgerengagement“,
„Sozialagenturen“, „Bürgerservicestationen“ und „Call
Center“ sind eng miteinander verknüpft und in den gesamten
Modernisierungsprozess integriert. Durch Beteiligungen und Kooperationen mit den Bürgerinnen
und Bürgern, wie moderierte runde Tische, Ideenwerkstätten, Beiräte,
Arbeitsgemeinschaften, Gesprächskreise und nicht zuletzt
Public-Private-Partnerships wird gewährleistet, dass die
Orientierung am Kunden
bzw. Bürger im Mittelpunkt der Aktivitäten steht.
Electronic Government
HABIT,
Stadt Hagen (D)
Das
Virtuelle Rathaus Hagen
Die
E-Government-Lösung „Virtuelles Rathaus Hagen“
der Stadt Hagen
stellt sich in ihrer Gesamtheit als im Vergleich hochentwickelt,
wissenschaftlich fundiert, durch Evaluationen abgesichert und
zukunftsorientiert dar. Dafür wird ihr ein Preis in der Kategorie
„Electronic Government“ zuerkannt. Das Angebot weist als „Bürgerbüro
im Netz“ ein breites Leistungsangebot für die Bürgerinnen und Bürger
auf. Dazu zählt ein umfassendes Informationsangebot, die Kontaktmöglichkeit
mit allen Dienststellen der Verwaltung über die elektronische Post
und die Bereitstellung häufig benötigter elektronisch
gespeicherter Vordrucke. Es umfasst zudem echte
Online-Transaktionsdienstleistungen aus dem Meldewesen, den Zugriff
auf Liegenschaftskarte und Liegenschaftsbuch sowie die Reservierung
von Kfz-Kennzeichen.
Dortmunder Systemhaus,
Stadt Dortmund
(D)
Projekt
Digitale Stadtverwaltung (doMap)
Stellen
Sie sich vor, sie wollen eine städtische Dienstleistung in Anspruch
nehmen, und eine elektronische Mappe sammelt alle ihre Aufträge,
leitet sie an die zuständigen Behörden weiter und macht für Sie
die Behördengänge. Diese sehr visionär anmutende Idee ist in
Dortmund schon Wirklichkeit. Das
Dortmunder Systemhaus
erhält daher einen Preis für das Projekt „Digitale
Stadtverwaltung“. Die
Mappe ist nach dem Lebenslagenprinzip aufgebaut,
d.h. Ereignisse wie Geburt, Umzug, Anmeldung usw. werden kombiniert
behandelt. Möglich wird dies durch die elektronische Bündelung von
Verwaltungsvorgängen. Nach einer einmaligen Identifizierung übernimmt
der elektronische Agent „doMap“ dabei für die Bürgerinnen und
Bürger die Arbeit. In einer elektronischen Auftragsmappe werden die
Wünsche und Arbeitsaufträge an die städtischen Dienststellen
gesammelt und später auch deren Arbeitsergebnisse dokumentiert. Die
Bürger erhalten so ihren Wünsche entsprechend einen einfachen
Zugang zur Verwaltung. Seine Bürgerfreundlichkeit spielt das System
vor allem dann voll aus, wenn mehrere Abteilungen der
Stadtverwaltung betroffen sind. Da ein Grundbestand persönlicher
Daten der Kunden in der doMap vorgehalten wird, können
gleichzeitige oder aufeinander folgende Aufträge an die Verwaltung
mit erheblicher Arbeits- und Zeitersparnis erteilt werden.
Kantone
St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden
(CH)
Interessensgemeinschaft
Geographisches Informationssystem (IG-GIS)
Das
Geographische Informationssystem der Kantone St. Gallen
und Appenzell Ausserrhoden
erhält einen Preis für eine besonders herausragende Lösung im
Bereich „Electronic Government“. In beiden Kantonen werden
auf verschiedensten Verwaltungsstufen digitale geografische Daten in
GIS-Projekten erfasst, ausgewertet sowie für Politik, Verwaltung
und Bürger transparent gemacht.
Um
Doppelspurigkeiten zu vermeiden und einen langfristigen
Investitionsschutz zu garantieren, haben die beiden Kantone und die
angeschlossenen Gemeinden durch ein koordiniertes Vorgehen über die
IG GIS ein gemeinsames Geographisches Informationssystem aufgebaut.
Dies erforderte erhebliche organisatorische Maßnahmen im Bereich
Datenerfassung, Datenverwaltung, Datennachführung und
Datenmodellierung.
Sehr
positiv wird der gemeinde- und kantonsübergreifende Ansatz gesehen,
der erst eine Vernetzung der vielschichtigen Daten ermöglicht und
Gebrauch macht vom grenz- und ebenenübergreifenden Potenzial der
heute verfügbaren Informationstechnologien.
Die
Nutzerbetreuung erfolgt über eine Hotline und ein
Beschwerdemanagement. Die Nutzerzufriedenheit soll einmal pro
Jahr abgefragt werden. Über ein Anwenderforum können ebenfalls
Anregungen für qualitative und strategische Weiterentwicklungen der
IG GIS gemacht werden.
Personalmanagement
Bundeskellereiinspektion
Wien (A)
Die
in Wien beheimatete Bundeskellereiinspektion hat sich innerhalb der
letzten Jahre von einer rein rechtsanwendungsorientierten Aufsichts-
und Kontrolleinrichtung hin zu einer aktiven serviceorientierten
Einrichtung gewandelt. Gleichzeitig wurden Effizienzsteigerungen
erzielt, die sich in sehr beträchtlichen Einsparungsleistungen
niederschlagen. Die Bundeskellereiinspektion ist hierbei in eine
Vorreiterrolle hineingewachsen, die es ihr ermöglicht hat,
rechtsinnovativ tätig zu werden und im Hinblick auf den
eingeschlagenen Modernisierungsweg Vorbildfunktionen für eine Reihe
anderer Behörden wahrzunehmen.
Die
Bundeskellereiinspektion konnte diese Entwicklung nur in Verbindung
mit einem hochinnovativen Personalkonzept vollziehen. Den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird nicht nur maximale Freiheit
und Eigenverantwortlichkeit zugebilligt, sondern - in Verbindung mit
einem stark ausgebauten Controlling – wurde zugleich eine
beispielhafte Arbeitsökonomie und eine hochgradige Transparenz des
Leistungsverhaltens verwirklicht.
Besondere
Erwähnung und Würdigung verdient auch die interne
Entwicklung eines Zielvereinbarungssystems, das bezüglich der
Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen
Soll-Ist-Vergleich ermöglicht, der gleichzeitig als Basis für
die Personalbeurteilung Verwendung finden kann.
Stadt
Freiburg im Breisgau (D)
Die
Stadt Freiburg im Breisgau hat die Ziele des Personalmanagements
klar definiert und ein in sich schlüssiges Konzept
entwickelt, das mit dem Gesamtkonzept der Verwaltungsmodernisierung
unmittelbar verknüpft ist. Dem Gesichtspunkt der Pflege,
Entwicklung und Ausschöpfung der Potenziale der Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter kommt ein zentraler Stellenwert zu.
Konsequenterweise steht eine den Leitgedanken des Human Ressource
Management folgende Personalentwicklung im Mittelpunkt des Konzepts.
An der Entwicklung des Konzepts wurden die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Stadt umfassend beteiligt. Der Umsetzungsstand des
Konzepts ist weit fortgeschritten. Der Umsetzungserfolg wird durch
maßnahmenorientierte Controllingansätze fortlaufend überprüft.
Aus den Ergebnissen werden regelmäßig Konsequenzen für
Verbesserungen abgeleitet.
Die
Zusammenführung der Personalentwicklung und der
Organisationsentwicklung in einem Amt stellt eine enge Verzahnung
des Personalmanagements mit flankierenden Bedingungen sicher. Der
innovative Charakter des Konzepts ist durch das rege Interesse
belegbar, das ihm seitens anderer Verwaltungen entgegengebracht
wird. Die Stadt fördert den Benchlearning-Gedanken aktiv, indem sie
mit überregionaler Wirksamkeit auf den geeigneten Wegen zur
Verbreitung ihres PE-Konzepts beiträgt.
Versicherungsanstalt
des österreichischen Bergbaues (A)
Mit
einer vorbildlichen Verknüpfung des Personalmanagements sowohl auf
strategischer als auch auf operativer Ebene gehört die
Versicherungsanstalt für den österreichischen Bergbau dieses Jahr
zu den Gewinnern im Themenfeld „Personalmanagement“ des Speyerer
Qualitätswettbewerbs.
Zwei Punkte verdienen dabei besondere
Anerkennung: 1. die unmittelbare Verknüpfung der Konzeptentwicklung
mit der Führungskräfteentwicklung und 2. die eigenständige
Entwicklung von Handbüchern und Anleitungen in allen relevanten
Modernisierungsbereichen. Vorbildliche Lösungen wurden auch bei den
motivierenden Leistungsanreizen gefunden, hier gibt es ein breit
ausgebautes und individuell einsetzbares „Cafeteria“-System.
Dabei ruht man sich nicht auf den vorhandenen Lorbeeren aus, sondern
sucht laufend nach neuen Möglichkeiten, die gesamte Organisation
weiter zu entwickeln.
Strategisches Management
Kreis
Soest (D)
Der
Landkreis Soest hat ein überzeugendes Konzept für die Strategische
Steuerung der Kreisverwaltung aufgebaut und erhält deshalb einen
Preis im Bereich „Strategisches Management“.
Die
strategische Steuerung ist mit einem teilweise seit mehreren Jahren
praktizierten Instrumentarium unterlegt. Zu diesem gehört ein ergebnisorientierter, budgetierter
Haushalt. Systematisch wird durch eine Strategiekonferenz ein
Ausgleich zwischen den Interessen der Verwaltungsführung und denen
des Kreistages herbeigeführt. Auch die aus den kommunalen
Vergleichsringen sich ergebenden Anstöße zur Optimierung der Abläufe
und der Ergebnisse werden umfangreich genutzt. Es finden situativ
und produktbezogen Kundenbefragungen statt. Die gesamte
Kreisverwaltung ist nach der DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert.
Der
Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger ist deutlich erkennbar: Es
gibt zum Beispiel online-Arbeitsabläufe zwischen
lokalen Architekten und dem Bauamt/Fachbereich Bauaufsicht.
Hervorzuheben
ist das im Rahmen von Befragungen, einer Zukunftskommission und Bürgerforen
erarbeitete Leitbild für den Landkreis. Hier wurde eine neue Qualität
der Bürgerbeteiligung erfolgreich praktiziert.
Landkreis
Osnabrück (D)
Der
Landkreis Osnabrück hat die
Juroren im Themenfeld „Strategisches Management“ durch sein
fundiertes und praxisnahes Konzept der strategischen Steuerung der
Kreisverwaltung überzeugt. Zentrales
Instrument im Landkreis Osnabrück ist der dort praktizierte
„Steuerungskreislauf“, der eine umfassende strategische Planung
sowie die sich anschließenden operativen Schritte eines
wirkungsorientierten Verwaltungsmanagements miteinander verbindet.
Eine umfassende Beteiligung der Politik, der Städte und Gemeinden
im Landkreis sowie eine ganzheitliche Personalentwicklung zählen ebenso
dazu wie ein differenziertes Berichtswesen. Grundlage bildet ein budgetierter Produkthaushalt, der nach Festlegung der
Mittelfristigen Entwicklungsziele und der Handlungsschwerpunkte
Aufschluss über die finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten des
Landkreises gibt und als Hauptkontrakt der Zielplanung gilt. Die
Strategische Ausrichtung wird in jährlich stattfindenden Workshops
der Hauptakteure (Verwaltungsführung, kreisangehörige Kommunen,
Fraktionen des Kreistages, Beteiligungen) evaluiert, angepasst und
dann bedarfsgerecht neu definiert.
Als
Teilnehmer an interkommunalen Leistungsvergleichen ist der Landkreis
mit wettbewerbsähnlichem Benchmarking vertraut. Zusätzlich wird
die Meinung der Bürgerinnen und Bürger in kontinuierlich alle
Fachbereiche erfassenden Kundenbefragungen ermittelt. Die Ergebnisse
fließen ebenso in die Steuerung ein wie die der interkommunalen
Vergleichsringe.
Ministerium
für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes
Nordrhein-Westfalen
(D)
Mit
dem vom Ministerium für
Arbeit und
Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes
Nordrhein-Westfalen initiierten Projekt "Sozialagenturen – Hilfe aus einer Hand" werden in
Nordrhein-Westfalen neue Wege zur Reform der Sozialhilfe
beschritten. Das Projekt, für das in einem Wettbewerb elf Kommunen
ausgesucht wurden, ist auch Vorreiter für die geplante
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe und stand mit Pate
für das Konzept der Job-Center der Hartz Kommission. Der innovative Ansatz liegt
in der Neuorganisation der Beratung und Betreuung der Hilfeempfänger:
Anstelle der bloßen Abwicklung von Zahlungsvorgängen wird die
individuelle Hilfe, das heißt das Arbeiten mit einem persönlichen
Entwicklungsplan („Case management“) in den Vordergrund
gestellt. Ziel ist es, durch gezielte und gebündelte Hilfen einen
gangbaren Weg aus der Sozialhilfeabhängigkeit in die eigenständige
Existenz zu entwickeln und zu begleiten.
Das
Land stellt den Kommunen dabei die wissenschaftliche Begleitung zur
Verfügung. Die
Ergebnisse dieser erfolgreichen Kooperation
zwischen Land, Kommunen, Arbeitsverwaltung und freien Trägern
fließen inzwischen erkennbar in die aktuelle sozialpolitische
Diskussion ein und tragen ersten sichtbaren Nutzen für die
Betroffenen.
Polizeipräsidium
Münster
(D)
Für das Können
gibt es nur einen Beweis: das Tun. Unter
diesem Motto von Marie von Ebner-Eschenbach kann man die
Reformaktivitäten im Polizeipräsidium Münster zusammenfassen. Die
Elemente des Steuerungs- und Führungssystems sind unmittelbar im
Alltag erlebbar. Dabei wird sich nicht auf einzelne Elemente oder
Projekte konzentriert, sondern eine andauernde und gleichförmige
Fortentwicklung des gesamten Systems unmittelbar im Echt- und
Wirkbetrieb findet statt.
Die
Vorgehensweise des PP Münster entspricht der kontinuierlichen
Verbesserung und ist dauerhaft angelegt. In der Praxis legt die
Behörde eine Vielzahl von Reformelementen (QM, KVP, Gender
Mainstreaming) zugrunde.
Das
PP Münster hat eine Vorreiterfunktion, die sowohl für andere
Präsidien als auch für andere Bereiche der Landesverwaltung einen
breiten Erfahrungsschatz eröffnet.
Wissensmanagement
Institut
für Wirtschafts- und Betriebswissenschaften, Montanuniversität
Leoben (A)
Zum
ersten Mal vergibt die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften
Speyer einen Preis
im Bereich Wissensmanagement – die Montanuniversität
Leoben,
Institut für Wirtschafts- und Betriebswissenschaften ist ein würdiger
Preisträger. Das Projekt Wissensmanagement ist beispielgebend für
andere Organisationen im Profit und Non-Profit-Bereich. Besonders
hervorzuheben ist die Kooperation und Vernetzung sowohl intern als
auch mit privaten Unternehmen, die die Universität für
Feedbackprozesse und Wissensaustausch nutzt. Bemerkenswert ist, dass
Führungsinstrumente wie Kennzahlen, Balanced Score Card, etc.
zusammengeführt wurden, um eine Wissensbilanz zu bilden. Darüber
hinaus stellt diese innovative Wissensbilanz das Wissen der
Organisation und das Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
dar. Die Wissensbilanz macht auch die Ursachen-Wirkungsprozesse
transparent.
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Stand:
06.01.2005
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