Pressemitteilungen
 
  
September 2000
„Gesundheitsreform 2000“ - 2. Speyerer Gesundheitstage an der DHV Speyer vom 29.-29.9.2000
Forum Gründungs- und Mittelstandsförderung an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften vom 20.-22.9.2000
Neuorganisation der Landesverwaltung – DHV zieht erste Bilanz: Tagung mit Ministerpräsident Kurt Beck an der Hochschule am 21.9.2000
Von den europäischen Nachbarn lernen- Neue Seminarreihe „Wettbewerb der Regionen“ startet an der DHV am 20.9.2000
Wie die neue Informationstechnik die Verwaltung beeinflusst - 16. „SpeBit“ an der DHV Speyer vom 11.-13.9.2000
Von der Leistungszulage zur Good Governance - Tagung zum Thema „Verwaltungsmodernisierung“ an der DHV Speyer vom 6.-8.9.2000

  

„Gesundheitsreform 2000“

2. Speyerer Gesundheitstage an der DHV Speyer

Die „Gesundheitsreform 2000“ hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Die Qualität im Gesundheitswesen zu sichern und gleichzeitig den Patientenschutz zu gewährleisten. Doch wie können diese Ziele umgesetzt werden? Welchen Beitrag leistet hierzu das „Gesundheitsreformgesetz 2000“? Darüber diskutierten am 28../29. September Vertreter der Bundes- und Landesministerien, des Landessozialgerichtes, der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz und Wissen- schaftler bei den „2. Speyerer Gesundheitstagen“, die die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. Dr. Rainer Pitschas in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Betriebs- und Innungskrankenkassen sowie der Landwirtschaftlichen Krankenkasse Rheinland-Pfalz veranstaltete.

„Die Gesundheitsreform 2000 ist wesentlich besser als ihr Ruf“, sagte der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Florian Gerster in seiner Einführung. Das System entwickle gerade beim neuen Entgeltsystem im Krankenhaus eine „ungeheure Dynamik“. Nach einer „Klagephase“ der Krankenhausgesellschaften und kommunalen Spitzenverbände herrsche jetzt eine neue Aufbruchstimmung vor. Durch das neue Gesetz sollten die Patienten künftig noch mehr Verantwortung bekommen.

Sorgen bereite ihm indessen der Wettbewerb zwischen den Kassen. Er sei zwar vom Gesetzgeber gewollt und bewusst eingeführt worden. Die Betriebskrankenkassen seien aber hierbei deutlich bevorzugt, weil sie mit 11,2 bis 13 Prozent niedrigere Beitragssätze anbieten könnten als die gesetzlichen Krankenkassen mit über 13,5 Prozent und dabei nach der allgemeinen Öffnung für Betriebsfremde vor allem junge, gesunde und einkommensstarke Versicherte aufnehmen, also bewusst selektieren könnten. Die AOK Rheinland-Pfalz habe beispielsweise in vier Jahren über 16 000 Mitglieder verloren, die BKK Rheinland-Pfalz gleichzeitig 20 000 neue gewonnen. „Diesen Rutsch hält das Gesundheitssystem nicht aus“, so Gerster. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, müssten die gesetzlichen Krankenkassen ihre Beitragssätze erhöhen. „Das schadet dem Standort“, sagte er. Er habe daher mit allen Gesundheitsministern der Länder gesprochen, um eine Reform des Risikostrukturausgleichs noch in dieser Wahlperiode zu erreichen. Der Risikostrukturausgleich soll die Zahl der alten, jungen, erwerbslosen und pensionierten Versicherten in den einzelnen Krankenkassen ausgleichen und so das Defizitrisiko absichern.

Auf heftige Kritik stieß die Rede des Ministers bei den Vertretern der Betriebs- und Innungskrankenkassen. „Jetzt sollen die Betriebskrankenkassen plötzlich das Hauptproblem sein? Es war doch eine Forderung der Politik, dass sie sich für alle öffnen“, monierte Axel Benz, Vorsitzender des BKK-Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland. Schließlich sei auch die BKK gesetzlich verpflichtet, Mitglieder, die dies möchten, aufzunehmen. Die Wechsler von der AOK machten nicht einmal 1,4 Prozent der AOK-Gesamtmitglieder aus. „Da ist es nicht angebracht, von einer dramatischen Situation zu sprechen“, sagte Benz. Es spreche schließlich für die BKK, wenn es ihr gelinge, Mitglieder anzuwerben. „Oder wie haben Sie sich den Wettbewerb vorgestellt?“

Eine indirekte Antwort auf die von Gerster angesprochenen Fragen des Wettbewerbs gab Prof. Pitschas in seinem Vortrag. Die Struktur von Leistungserbringung und –abrechnung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sei historisch überkommen. Deutschland stelle im europäischen Vergleich mit Ausgaben von 10,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für das Gesundheitswesen – das sind 520 Milliarden Mark - den Spitzenreiter dar. Inzwischen bestimmte die Wirtschaftlichkeit, nicht die Wirksamkeit, welche Leistungen erbracht würden. Die Gesundheitsreform 2000 „setzt auf staatlichen Dirigismus bei strikter Ausgabenbegrenzung“, monierte Pitschas in Hinblick auf getrennte Behandlungs- und Arzneimittelbudgets oder die komplizierte Berechnung von Arzthonoraren für bestimmte aufzuschlüsselnde Leistungen. „Die Bürokratisierung des Systems ist unverkennbar“. DasRegelungswerk sei nicht an den Bedürfnissen der Patienten orientiert, die durch einengende Budgets belastet würden, sondern an einer strikten Sparpolitik. Niedergelassene Vertragsärzte würden zu einer Art „Selbstausbeutung gezwungen“ – sie können beim Überschreiten des Budgets regresspflichtig gemacht werden, behandelten aber trotzdem weiter. 

Sinnvoller sei es da doch, spezifische Gesundheitsziele aufzustellen und Reformen daran zu orientieren. Solche Landesgesundheitsziele haben bereits einige Bundesländer eingeführt. Darin, dass der Patient stärker zur Verantwortung gezogen werden müsse, stimmte Pitschas mit Gerster überein. Schon der demographische Wandel zwinge dazu. Sinnvoll sei eine Grundversorgung der Patienten durch die Kassen sowie eine weiterreichende private Versorgung, wie dies auch in anderen europäischen Ländern praktiziert wird. Zur Grundversorgung müsse jeder Patient unabhängig von seinem Einkommen Zugang haben. Bei der weiterreichenden Versorgung müsse dem Wettbewerb im Europäischen Binnenmarkt - auch in Anbetracht der europäischen Gesetze – künftig breiter Raum gegeben werden, prognostizierte Pitschas. Auf dem EU-Markt werde der Patient zunehmend zum Verbraucher, der zwischen verschiedenen Anbietern wählen könne. Dazu müsse der Patient aber stärker als vorher informiert und geschützt werden. Beim Patientenschutz lasse die Gesundheitsreform zumindest ein Grundbewusstsein erkennen. Insgesamt sei eine eigene „öffentlich-rechtliche Wettbewerbsordnung“ für den Gesundheitssektor zu schaffen, die einen dritten Weg zwischen staatlichem Dirigismus und offenem Wettbewerb darstellen würde.

Das System der Grundversorgung befürwortete auch Manfred Clever, Präsident des Sozialgerichts Mainz. Die junge Generation sei nicht mehr bereit, extrem hohe Beitragssätze zur gesetzlichen Krankenversicherung zu leisten. Allerdings stelle sich die Frage, was zur Grundversorgung gehöre, merkte Raimund Nossek vom BKK-Landesverband an. Hier gebe es Vorschläge von 50 bis zu 85 Prozent aller Arzt- und Zahnarztleistungen sowie Medikamente.

Wettbewerb im Gesundheitswesen sei unablässlich, meinte auch Prof. Dr. Günther Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik München. Er plädierte für die Einführung der Wahlfreiheit für Versicherungspflichtige. Dann könnten Leistungsverträge individuell zwischen Patienten und Leistungserbringern gestaltet werden. „Vonnöten ist mehr verantwortliche Mitbestimmung von Versicherten und Patienten. Dies gäbe der Gesetzlichen Krankenversicherung Stabilität und politische Immunität.“

Urban Koch, BKK Vegla, forderte einen freien Zugang zu den Gesundheitsleistungen in Europa und plädierte für die absolute Aufhebungterritorialer Schranken im europäischen Gesundheitswesen. Er verwies auf die Beteiligung der BKK Vegla am Modellprojekt „Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung“ in der Euregio Rhein/Maas, einem Grenzgebiet in Nordrhein-Westfalen. „Denn vor dem Hintergrund eines zusammenwachsenden Europas entwickelt der europäische Einigungsprozess eine wachsende Dynamik auch im Bereich des Gesundheits- und Sozialpolitik. So versprechen wir uns aus Kostengesichtspunkten Vorteile eines grenzüberschreitenden Behandlungseinkaufs.“

Das sektorale Budget in der Arztpraxis und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Zugang und die Qualitätder ärztlichen Leistungen standen am Freitag auf dem Programm der Tagung. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Pfalz, Dr. Anton Coressel hob hervor, dass die Zahl der niedergelassenen Ärzte in der Pfalz innerhalb der letzten zehn Jahre um ein Drittel, von 1660 auf 2239, gestiegen sei. Hinzu kamen durch das neue Psychotherapeutengesetz 172 Therapeuten, so dass den Patienten ein umfassendes Leistungsangebot zur Verfügung stehe. Auch hochkomplizierte moderne Untersuchungsgeräte seien angeschafft und damit medizinische Leistungen von den Krankenhäusern in die Praxen verlagert worden. Gleichzeitig sei das Budget für die niedergelassenen Ärzte aber nicht erhöht worden. Damit seien sie nun in der misslichen Lage, am Quartalsende bei ausgeschöpftem Budget Patienten abzuweisen oder medizinisch dringend notwendige Leistungen aufs nächste Quartal verschieben zu müssen. So auch bei den Medikamenten: teure Arzneimittel, die etwa bei Alzheimerpatienten die Einweisung in ein Pflegheim hinauszögern könnten, würden kaum verordnet, die teuren Pflegeheime hingegen finanziert. Die Lösung: Aufhebung von Budgetzwang und Kollektivregressen sowie das Bekenntnis zur individuellen Versorgungsverantwortung für jeden einzelnen Patienten.

Lösungen des Budgetdrucks könnten darin liegen, die Versicherungspflicht für die Gesetzliche Krankenkasse auch auf Selbständige und Beamte oder Spitzenverdiener auszudehnen, die Zuzahlungen zu ärztlichen Leistungen zu erhöhen oder eine „Praxisgebühr“ für den Arztbesuch einzurichten, schlug Dr. Peter Schichtel vom saarländischen Gesundheitsministerium vor. Bestimmte Leistungen wie etwa Mutterschaftsgeld zu verknappen, hält er dagegen für keine gute Lösung. Allerdings belegten Studien, dass die Hälfte aller Medikamente noch nie auf ihre Wirksamkeit (nur auf ihre mögliche Schädlichkeit) hin überprüft worden seien. Man könne also davon ausgehen, dass ein nicht geringer Teil von Medikamenten verschrieben würde, ohne zu nutzen.

Dr. Michael Ruppelt, Vorsitzender Richter am Landessozialgericht Rheinland-Pfalz, setzte sich mit den rechtlichen Problemen der Zulassungsbegrenzung von „Vertragsärzten“ auseinander. Da durch mehr Ärzte für die Kassen höhere Kosten entstünden, werde die Zulassung der Ärzte beschränkt. Dies sei allerdings verfassungsrechtlich wegen des Grundrechts auf freie Berufswahl bedenklich.

Ähnlich beurteilte dies Pitschas. Weshalb sollte man nicht jeden Bewerber studieren lassen und später auf den Wettbewerb in einem freien Markt setzen? „Es muss nicht jeder Mediziner Vertragsarzt werden. Das ist in anderen Berufen nicht anders. Auch nicht jeder Jurist, der das möchte, wirdRichter oder Anwalt“. Warum sollten also gerade Ärzte eine quasi Vorab-Einkommenssicherung erhalten?

Strikte Zulassungsvoraussetzungen fürs Medizinstudium wünschte sich hingegen Coressel. „Wozu 5000 Ärzte ausbilden, wenn der Staat nur 3000 braucht?“
Joachim Becker, Regierungsdirektor im Bundesgesundheitsministerium sprach abschließend über Strukturen eines patientenorientierten Gesundheitswesens. Gerade an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung sei die medizinische Versorgung oft schlecht organisiert. Aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten fehlten oft ein Ansprechpartner. Die Vertreter der Arge wiesen darauf hin, dass ihre Versicherten gerade deshalb auf spezielle Krankenhausberater zurückgreifen könnten.



Forum Gründungs- und Mittelstandsförderung an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften

Gründungsboom und neue Selbständige – welche Rolle spielen sie für Innovation und regionalen Strukturwandel, für Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum? Welche Aufgaben in der Gründungs- und Mittelstandsförderung kann und soll der Staat, sollen Bund, Länder, Kommunen und die Europäische Union übernehmen? Welche Konzepte sind erfolgversprechend? Dies sind Fragen, die auf dem Forum zum Thema Gründungs- und Mittelstandsförderung diskutiert wurden, das vom 20. bis 22. Septemberim Historischen Ratssaal der Stadt Speyer unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dorothea Jansen stattfand. Rund 70 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der öffentlichen Verwaltung, den Handels- und Handwerkskammern, Banken, Wirtschaftsförderungsgesellschaften und der Wissenschaft hatten daran teilgenommen.
Der erste Tag war einem Überblick über Gründungskonzepte, Instrumente und Aufgabenteilung von Bund, Ländern und Europäischer Union gewidmet. Es referierten Dr. Karl-Heinz Groß vom Bundeswirtschaftsministerium, Dr. Albrecht Mulfinger von der Europäischen Kommission, Dr. Bernhard Roth-Harting vom Wirtschaftsministerium NRW und Dr. Ulrich Link von der Investitions- und Strukturbank des Landes Rheinland-Pfalz. Am Morgen des zweiten Tages wurden konkrete Beispiele der Gründungs- und Mittelstands­förderung vorgestellt, darunter auch die Gründungsförderung „Made in USA“ des State of Virginia. Der Nachmittag war dem Problem der Finanzierung von risikoreichen, jungen und technologie­orientierten Unternehmen und neuen Finanzierungskonzepten gewidmet. Am dritten Tag ging es schließlich um Gründungs- und Unternehmensstatistiken aus verschiedenen Bereichen und ihre Aussagekraft als Planungs- und Entscheidungsgrundlage.


Neuorganisation der Landesverwaltung – DHV zieht erste Bilanz

Tagung mit Ministerpräsident Kurt Beck an der Hochschule

Der Staat soll schlanker und effizienter werden – diesem Ziel folgt die Neuorganisation der Landesverwaltung in Rheinland-Pfalz, die zum 1. Januar in Kraft getreten ist. Die Mittelinstanzen des Landes sind damit völlig neu geordnet worden. An die Stelle der früheren Bezirksregierungen sind zwei Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD) in Koblenz und Neustadt sowie eine Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier getreten. Daneben sind verschiedene Behörden in das Landesuntersuchungsamt überführt worden. Wie sich die Neuorganisation nach einem Dreivierteljahr auswirkt, diskutierten Vertreter von Ministerien, Bezirksregierungen, Mittelbehörden, Städten und Landkreisen sowie Landtagsabgeordnete bei einer Tagung der DHV Speyer unter der Leitung der Professoren Hermann Hill und Carl Böhret.
Über die „Neuorganisation durch Verwaltungspolitik“ referierte der Ministerpräsident des Landes, Kurt Beck. Um die Herausforderung der Neuorganisation zu meistern, sei es das wichtigste, die Mitarbeiter zu motivieren. Gleichzeitig sei dies auch die größte Herausforderung. „Deshalb muss man auch den Mut haben, in die Behörden zu gehen und sie sich zu betrachten“, so Beck. Das neue Modell führe zum Personalabbau und gleichzeitig zu einer wirtschaftlicheren und leistungsfähigeren Verwaltung. „Es wurden neue Dienstleistungsstrukturen geschaffen, damit nicht das gleiche an mehreren Stellen getan wird“, erklärte Beck. Schon zu Beginn seiner Amtszeit habe er durch die Einsparung der Ministerien für Bundesangelegenheiten und Europa, für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten und für die Gleichstellung von Mann und Frau die Zahl der Ministerien von elf auf acht verringert. Die Kabinettsreform habe dazu beigetragen, dass für die Neustrukturierung der Mittelbehörden mehr Verständnis geweckt worden sei. Das Motto „Oben bleibt alles gleich, unten wird Druck gemacht“, sei nicht seines, betonte er.
Das Konzept zur Neuorganisation erläuterte Dr. Ernst Theilen, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium des Innern. Die Neuorganisation sei ein wichtiger Schritt gewesen, um den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz zu stärken und eine moderne, leistungsfähige Verwaltung der Bürger zu schaffen. Anstatt der drei Bezirksregierungen, die gleiche Aufgaben an drei Stellen bearbeiteten, seien nun vier Behörden mit „echter Dienstleistungsfunktion und funktionaler Aufgabenbündelung“ geschaffen worden. Die meisten Aufgaben werden nun zentral je bei einer Behörde bearbeitet. In 15 Jahren sollen so über 500 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Einsparvolumen: 360 Millionen Mark.
In einer Podiumsdiskussion mit dem Innenminister vonNiedersachsen, Heiner Bartling, dem Staatssekretär im Innenministerium Sachsen-Anhalt, Dr. Rainer Holtschneider, dem Ministerialdirektor im Innenministerium Baden-Württemberg, Roland Eckert sowie Ministerialdirigent Johannes Winkel vom Innenministerium Nordrhein-Westfalen diskutierte Beck darüber, ob die Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz auf andere Bundesländer übertragbar seien. Konsens herrschte darüber, dass trotz dem einheitlichen Bemühen um effiziente Verwaltungen in jedem Land die regionalen Gegebenheiten beachtet werden müssten und das rheinland-pfälzische Modell nicht einfach übernommen werden könne. So biete sich etwa in Sachsen-Anhalt mit vielen kleinen Gemeindendie Übertragung vieler Kompetenzen auf die Kommunen an. Nur was von ihnen nicht zu leisten sei, werde in einem Landesverwaltungsamt zusammengefasst, berichtete Holtschneider. 
Wie die Arbeit in den neuen Behörden funktioniert, erläuterten anhand ausgewählter Beispiele Vertreter der neugeschaffenen Instanzen. Dr. Ralf Esser von der SGD Süd berichtete, wie seine neu entstandene Behörde das Projekt Müllheizkraftwerk Mainz gemeistert hatte. Unter anderem die Felder Raumordnung, Landschaftswesen, Abfallwirtschaft, Emissions- und Bodenschutz sind nun der SGD zugeordnet worden. In einem „Vorzeigeverfahren für flexibles Handeln einer aktiven Verwaltung“ sei es gelungen mit der Einsetzung einer Projektgruppe unter Beteiligung der Bürger das Emissionsschutzverfahren für das Werk durchzusetzen. 
Hans-Ludwig Voigt von der SGD Nord berichtete am Beispiel der Wasserwirtschaft über die Inte­gration ehemals selbständiger Behörden in die neue. Dies sei zu Beginn nicht ganz einfach gewesen, inzwischen sei jedoch eine Bündelung und Konzentration von Aufgaben gelungen. Die Behörden bestehen als Regionalstellen in kleinerer Besetzung weiter. Bestimmte Bereiche wie Hochwasserschutz oder Hochwassermeldedienst werden auch weiterhin regional erfüllt, Genehmigungen oder die Festlegung von Hochwasserschutzgebieten dagegen von der zentralen Behörde.

Die Schulverwaltung der ADD Trier war Thema von Dr. Karl-Heinrich Krämer. Als die Schulaufsicht noch in die Bezirksregierungen eingebunden gewesen sei, habe er in seinem Bezirk alle Schulleiter persönlich gekannt, ebenso alle Bürgermeister. Das sei mit der Zentralstelle in Koblenz schwieriger geworden. Allerdings sei erst jetzt ein einheitliches Verwaltungshandeln in Rheinland-Pfalz sichergestellt. Es könne nicht angehen, dass Lehrer nur befördert worden seien, weil dafür in Trier andere Richtlinien gegolten hätten als in Neustadt. Während aber auch hier etwa die Einstellung von Lehrern bei Regionalstellen verbleibt, werden die Verträge zentral in Koblenz gemacht und formal überprüft. Für die Mitarbeiter der Zentralbehörde keine leichte Aufgabe: „Plötzlich kamen 38.000 Personalakten an, die es zu verwalten gab, gleichzeitig mussten 1.700 neue Lehrer und 1.600 Referendare eingestellt und 1.400 pensioniert werden“, erläuterte Krämer.

Auch beim Landesuntersuchungsamt sei es gelungen, durch die Neuorganisation effizienter zu arbeiten. Auch hier blieben die regionalen chemischen, veterinär- und humanmedizinischen Untersuchungsinstitute bestehen, allerdings sind sie nun jeweils für bestimmte Warengruppen zuständig. So wird etwa die Qualität von Bier nur in Trier untersucht.

Dass dies alles nicht ohne neue Informationstechniken zu leisten gewesen sei, erläuterte Gregor Schulte, Leiter der IT-Leitstelle im Ministerium des Innern. Geplant sei ein Dokumentmanagementsystem, das er ermöglicht, „virtuelle Akten“ zentral zu lagern und für alle Berechtigten zugänglich zu machen.

Vertreter der Personalräte und der Fachebene informierten über die Bedeutung der Neustrukturierung für das Personal. Während Hans-Dieter Gassen, Präsident der SGD Nord, erklärte, dass es relativ wenig Versetzungen gegeben habe und die Neustrukturierung auf Personalseite gut angenommen worden sei, berichtete Dr. Otmar Mick, Abteilungsdirektor in der ADD Trier über personelle Engpässe und entsprechende Überbelastung der Mitarbeiter, die sich in über 10 000 Überstunden manifestiere. Der Personalbestand liege unter dem Soll. „Das ist auf Dauer nicht tragbar“, pflichtete ihm Jürgen Emmerich vom Hauptpersonalrat im Innenministerium bei.Einigkeit herrschte auf dem Podium darüber, dass die Mitarbeiter hoch motiviert seien. Nötig seien jetzt neue Arbeitsstrukturen, Fortbildungen oder neue Führungsmodelle, regte Irmgard Eifel, Personalratsvorsitzende beim ILC Trier an.

Eine Abschlussbilanz zog Univ.-Prof. Dr. Carl Böhret, der vor allem die verwaltungspolitischen Erkenntnisse und Strategien vorstellte.



Von den europäischen Nachbarn lernen

Neue Seminarreihe „Wettbewerb der Regionen“ an DHV gestartet

„Nutzen Sie die Chance, Ihre Region und Ihre Verwaltung europafit zu machen“ – über 50 Teilnehmer begrüßte heute der Rektor der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, Univ.-Prof. Dr. Hermann Hill, zu einer neuen Reihe der DHV mit dem Titel „Wettbewerb der europäischen Regionen”. „In einem zusammenwachsenden Europa wird es immer wichtiger, sich nicht nur im nationalen Bereich zu vergleichen, sondern europaweit positive Beispiele und Vorbilder zu suchen und sich daran zu messen. Spätestens nach der Einführung des Euro wird dieser europaweite Vergleich die Diskussion um Standorte und Lebensqualität bestimmen“, erläuterte Hill die Absicht der Reihe. Die Idee sei – wie auch von der portugiesischen Ratspräsidentschaft gefordert - von „den Besten zu lernen“ und zu überprüfen, was von anderen Regionen auf die eigene Verwaltung übertragbar sei.
Dazu wurden den Teilnehmern vier innovative Projekte aus Europa präsentiert. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Öresund-Region (Kopenhagen/Malmö) stellte Birger Olofsson, Direktor des Öresund-Komitees, vor. Markenzeichen der Region ist die neue, am 1. Juli eröffnete Brücke über den Öresund, die Dänemark und Schweden – nicht nur geografisch – verbindet. Vor sieben Jahren sei das Öresund-Komitee, ein gemeinsames politisches Gremium, gegründet worden. Damals habe es viele Vorurteile gegenüber den jeweiligen Nachbarn gegeben. Eine gemeinsame Region sei damals eine politische Vision gewesen, nicht marktgetrieben. Heute sei allerdings durch die schnellere Verbindung zwischen den beiden Ländern ein gemeinsamer Arbeits-, Wirtschafts- und Kulturraum entstanden. Kulturelle Attraktionen seien ebenso gefördert worden wie Industrieansiedelungen. Die Rezession auf beiden Seiten sei durch den Integrationsprozess überwunden worden. Heute „strahlt die Region Optimismus aus“, so Olofsson. 
Über die Entwicklungen in der Region Greater London berichtete Steve Cowell, Millenniums-Koordinator. Die Region setze vor allem darauf, in Projekte zu investieren, die die britische Hauptstadtregion als international wettbewerbsfähiges Geschäftszentrum stärken sollen. Dazu zählt der Bau des Millennium-Domes ebenso wie der Strukturwandel der altindustriellen Londoner Docklands. Während der Staat in letztere investiert habe, sei der Stadtteil Greenwich bis zum Beginn der 90er Jahre eines der ärmsten Gebiete Großbritanniens gewesen. Die Rekonstruktion der Halbinsel Greenwich Peninsula mit dem Millennium-Dome habe dem Londoner Stadtteil einen enormen Schub gegeben. Inzwischen seien Milliarden in die Infrastruktur, den Wohnungsbau, Verkehrsplanung und Raumordnungsprojekte investiert worden. Der Erfolg: 12.500 neue Jobs seit 1995, 6.000 neue Häuser, neue Krankenhäuser, Parks, Spazierwege und Schulen. „Es sind also aufregende Zeiten für Greenwich“, schloss Cowell.
Die Stadt Barcelona gilt als die am besten geführte Stadtverwaltung in Europa. Sie hat in den vergangenen Jahren ein neues Verwaltungssystem eingeführt, erbringt einen Teil der Leistungen durch städtische Betriebe und stadteigene AGs und sticht im Bereich E-Democracy und Internet-Verwaltung besonders hervor. Wie die Stadt zur europäischen Vorzeige-Metropole wurde, erläuterte Mario Rubert, Direktor des internationalen Standortmarketings der Stadt Barcelona. Was für Öresund die „Zeit vor und nach der Brücke“ sei, gelte für Barcelona ebenso für die „Zeit vor und nach Olympia“. Nachdem es gelungen sei, die Olympischen Spiele 1992 in die Stadt zu holen, habe sie einen enormen Aufschwung erfahren. Die Spiele hätten der Stadt ein ganz neues Image gebracht und die Zusammenarbeit zwischen privatem und öffentlichem Sektor gefördert. Nach den Spielen habe man allerdings nach neuen Projekten suchen müssen. So seien etwa neue Wirtschafts- und Technologiezweige angesiedelt worden und mit dem Ausbau von Flughafen und Hafen sowie eines Bahnhofs für einen Hochgeschwindigkeitszug eine neue Logistik ermöglicht worden. Das neueste Projekt „Forum 2004“ soll mit einer sechsmonatigen internationalen Ausstellung im Stil der Weltausstellung über 25 Millionen Besucher in die Stadt locken. „Von Barcelona werden Sie in Zukunft noch viel hören“, prognostizierte Rubert.
Bei der vierten Region, „Paris/Ile de France“, gelten vor allen die regionalen Verwaltungsstrukturen als zukunftsweisend, mit denen es gelungen ist, einen Ausgleich zwischen der Kernstadt und dem Umland zu schaffen.Wie, erläuterte Jean-Pierre Palisse, Institut d’Aménagement et d’Urbanisme de la Région d’Ile-de-France. In der Region Paris gebe es 1.300 Gemeinden. Früher habe es ernste Raumordnungsprobleme gegeben. Daher werde heute mehr auf Dezentralisierung gesetzt. Mit der Verabschiedung der „Pasqua-Gesetze“ 1995 sei die Rolle der Regionen und Gemeinden gestärkt worden. Gegen das städtische Wachstum seien Maßnahmen ergriffen worden wie ein städtischer Verkehrsplan mit attraktiveren Angeboten für den öffentlichen Nahverkehr, Naturparks oder Stadtrandbebauung. Dabei seien den städtischen Gremien größere Mitspracherechte eingeräumt worden. Als Beispiele nannte Palisse etwa den Stadtteil La Défense oder Ost-Paris. Hier seien über eine Million Quadratmeter neue Büroräume und 6.000 Wohnungen in Eigenregie der Stadt entstanden. Nur beim Ausbau der Universität oder „Grande Bibliothèque“ sei der Staat tätig geworden.
„Lassen Sie sich von diesen Ideen anregen und prüfen Sie, inwieweit die Erfahrungen auf Ihre eigene Verwaltung übertragbar ist“, appellierte Hill an die Teilnehmer. Gelegenheit hierzu besteht im November 2000, Januar, Februar und März 2001, wenn die Reihe mit Vertiefungsseminaren vor Ort fortgesetzt wird. Längerfristig ist es geplant, auch mittel- und osteuropäische Verwaltungen in das Programm mit einzubeziehen und ausländische Verwaltungskräfte nach Deutschland einzuladen, um ihnen innovative Projekte deutscher Regionen zu präsentieren, um diese bekannter zu machen.


Wie die neue Informationstechnik die Verwaltung beeinflusst 

16. „SpeBit“ an der DHV Speyer

Die neuen Möglichkeiten der Informationstechnik haben tiefgreifende Auswirkungen auf das traditionelle Verwaltungshandeln. E-Business, E-Commerce, E-Democracy und E-Government mit all ihren Chancen, Risiken und Begleiterscheinungen stellen nicht mehr lediglich Trends dar, sondern sind dabei, sich fest in der Gesellschaft zu etablieren. Die öffentliche Verwaltung kann sich in Zeiten von Verwaltungsmodernisierung, knapper Finanzmittel, dem Wandel zur Wissensgesellschaft und den Anforderungen nach lebenslangen Lernen den technischen Möglichkeiten nicht mehr entziehen und muss sich den aufkommenden Fragen und Problemen stellen sowie die neuen Techniken nutzen. Aus diesem Anlass veranstaltete die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. Dr. Heinrich Reinermann vom 11. bis 13. Septemberihr sechzehntes „Speyerer Seminar für Büro- und Informationstechnologie in der öffentlichen Verwaltung (SpeBit)“.
Im Mittelpunkt des Seminars stand die Frage, wie die Strategien der Informationssystementwicklung die derzeit erarbeiteten Verfahren zur Verwaltungsmodernisierung unterstützen können, aber auch wie derTechnikeinsatz zu gestalten und seine Folgen zu bewerten sind. Namhafte Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung referieren und diskutierten unter anderem über Verwaltung im Informationszeitalter, Visualisierungsmöglichkeiten durch Computersimulation, Aufgaben von Rechenzentren, Workgroup- und Workflow-Computing, Internet- und Client/Server-Technologien, weltweites E-Government, Rezentralisierungsbestrebungen im Bereich der Datenverarbeitung sowie über Verschlüsselung und elektronische Signaturen.
Das Seminar richtete sich an Führungskräfte aus Ministerien, Inhaber entsprechender Positionen in Parlamenten und Gerichtsbarkeit sowie die Führungsspitze der Ober- und Mittelbehörden und bot den Teilnehmern auch Gelegenheit für praktische Übungen am Computer. 
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen Empfang des Oberbürgermeisters der Stadt Speyer im Historischen Trausaal der Stadt sowie einen Abendvortrag des Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen, Burckhard Nedden, zum Thema „Datenschutz im Zeichen von Internet und Multimedia“.


Von der Leistungszulage zur Good Governance

Tagung zum Thema „Verwaltungsmodernisierung“ an der DHV Speyer 

Wie sehen gelungene Ansätze der Modernisierung von Verwaltungen aus, welches sind typische Erfolgsfaktoren, die für die Reform von Organisationen und für die Motivation der Mitarbeiterunverzichtbar sind? Mit diesen Fragen befassten sich von Mittwoch bis heute über 80 Teilnehmer aus Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen im Rahmen eines Forums, das von den Professoren Hermann Hill und Helmut Klages von der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer geleitet wurde.
Nach nunmehr zehn Reformjahren trete die Modernisierung deutscher Verwaltungen in die sechste Phase, so Helmut Klages in seinem Einführungsvortrag über „Akteurzentrierte Modernisierungsansätze“. Waren bisher die Haushaltssanierung, das Neue Steuerungsmodell und der „Aktivierende Staat“ Themen des Reformprozesses, gelte es nun, die Modernisierungsstrategien an einer „doppelten Akteurzentrierung“ auszurichten. Das bedeutet, nach innen individuelle Modernisierungswege zu suchen und nach außen die Wirtschaft und Bürger als neue „Mitspieler“ zu gewinnen. Eine „Organisations-Ruhephase“ von fünf bis zehn Jahren, wie sie von Organisationswissenschaftlern nach einem Umgestaltungsprozess für nötig gehalten wurde, hält Klages für nicht machbar. Die ständige „Optimierung“ von Organisationen sei angesichts ständig neuer Herausforderungen zwingend erforderlich für erfolgreiche Verwaltungen. 
Mit Zielvereinbarungen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzen sowie materiellen und immateriellen Leistungsanreizen stellten Dr. Karin Tondorf, Referentin am Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV), Speyer, und Beate Busse, Dozentin an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Niedersachsen, Hildesheim, zwei Elemente der Mitarbeiterführung vor. In beiden Referaten wurde deutlich, dass eine gute Zusammenarbeit und eine „Kultur des Vertrauens“ zwischen Mitarbeitern und Vorgesetztem stärker zur Motivationssteigerung beitrügen als ausschließlich materielle Anreize wie Prämien oder Zulagen.
Die Rolle der Politik im Modernisierungsprozess beleuchteten der Michelstädter Bürgermeister Reinhold Ruhr und der Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Frankfurt/Oder, Frank Ploß. Beide waren der Auffassung, dass die Politik bisher zu wenig in Reformprozesse eingebunden worden sei. Auch in Frankfurt/Oder sei die Einbeziehung der politischen Gremien als nebenrangig angesehen worden, die Behörden hätten sich ausschließlich mit sich selbst beschäftigt, bis der erste Versuch der Modernisierung gerade daran scheiterte. Seitdem, so Ploß, werde die Kommunikation zwischen Politik und Verwaltung als zentrales Thema der Verwaltungsreform betrachtet. Zur Verbesserung der Kommunikation sei etwa eine Lenkungsgruppe eingerichtet worden, die zwischen Politik und Verwaltung vermittele. Ruhr berichtetet beispielhaft über eine Zielvereinbarung zum Projekt „Kindergartenplatzangebot“.
Als dritter Akteur neben Verwaltung und Politik tritt zunehmend die Wirtschaft in den Blickpunkt der „Modernisierer“. Als Beispiele der Kooperation zwischen Verwaltung und Wirtschaft wurden zwei „Public-Private-Partnerships“ im Informationssektor vorgestellt: die „Strategische Partnerschaft hamburg.de“ von Dr. Olaf Tauras von der SNet-Line GmbH und das Projekt KOMM-IN der Gemeinde Sternenfels von TeleGIS-Geschäftsführer Michael Gutjahr. Welche Möglichkeiten die Informationstechnologie dem Bürger, aber auch Verwaltungen eröffnen kann, zeigten die Berichte von Gisela Schwellach, vom bremischen Senator für Finanzen, und Stephan Kohn vom Bundesministerium des Innern. Bremen erreichte in dem vom Bundesministerium für Forschung und Technologie ausgeschriebenen Wettbewerb Media@Komm den ersten Platz. Auf dem Weg zum „Virtuellen Rathaus“ wurden bereits große Erfolge verzeichnet: Informationen über Verwaltungsleistungen, das Herunterladen von Anträgen aus dem Internet und virtuelle Kommunikation sind Standard. Eine Premiere feierte Bremen von einigen Tagen: Mit der Einführung der Digitalen Signatur ist es nun sogar möglich, „unterschriebene“ Anträge an die Verwaltung per Internet einzureichen. 
Über Modernisierungsansätze auf Bundesebene berichtete Giso Schütz, Vizepräsident des Bundesverwaltungsamtes. In einem weiteren Abschnitt befassten sich die Teilnehmer mit Fragen der Lokalen Agenda, der Bürgerkommune und des bürgerschaftlichen Engagements - Themen, die derzeit vor allem auf kommunaler Ebene die Diskussion bestimmen. Aus der niedersächsischen Staatskanzlei berichtete Thomas Böhme über das Projekt „Regionaler Diskurs Niedersachsen“, bevor Agnes Christner vom Städtetag Baden-Württemberg das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement als „schwäbischen Kommunitarismus“ vorstellte. So unterschiedlich sich beide Projekte darstellten, ist ihnen eines gemeinsam: die Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements. Böhme betonte, dass die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement zwar zweifellos vorhanden sei, dass es aber immer eines Anstoßes von außen bedürfe, um die Bürger zum ehrenamtlichen Handeln zu motivieren. Bürgermeister Guido Wolf beschrieb den Weg der Stadt Nürtingen hierzu, die bürgerschaftliches Engagement durch einen Freiwilligenpass mit Vergünstigungen wie Theater- oder Schwimmbadbesuchen, durch ein „Tu-Was-Tagebuch“ für Schüler sowie durch Weiterbildungsmaßnahmen im ehrenamtlichen Bereich fördert.

Abschließend stellte Hermann Hill das Konzept der „Good Governance“ als übergreifenden „Schirm“ über die einzelnen Modernisierungskonzepte vor. Während aktuelle Modernisierungsstrategien einzelne Aspekte einer Verbesserung des Handelns von Staat und Verwaltung im Blickfeld hätten, stelle „Good Governance“ ein ganzheitliches System für staatliches, gesellschaftliches und wirtschaftliches Handeln zum Gemeinwohl aller, zum „Guten Regieren“, dar.