Jetzt sind sie fit für die Führung. - Fast drei Jahre
lang wurden sie darauf vorbereitet, Leitungspositionen zu übernehmen.
Gestern Abend ging für die 20 Teilnehmer des IV. Führungskollegs
Speyer (FKS) bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften
Speyer ihre Fortbildung zu Ende. Bei einer Feier im Rathaus wurde den Kollegiaten
- Verwaltungs- und Regierungsdirektoren, Ministerialräten aus
verschiedensten Ministerien sowie einer Oberstaatsanwältin und einem
Universitätskanzler – die Abschluss-Urkunden überreicht.
In 16 Kurswochen, verteilt auf 30 Monate wurden sie fachlich in den Bereichen Verwaltungsmodernisierung, Haushalt, Finanzen, Europäisierung und Internationalisierung der Verwaltung qualifiziert. Dass daneben aber vor allem soziale Kompetenzen unabdingbar sind, wurde in den Ansprachen deutlich. Heute würden Führungskräfte benötigt, die über Organisationsgrenzen hinausdenken können. „Eine Führungsperson, die nur fachlich geeignet ist und ansonsten aber nicht nach dem Rest der Welt fragt, ist ungeeignet“, erläuterte Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Siedentopf, der wissenschaftliche Leiter des IV. Führungskollegs, der den Kurs inhaltlich vorbereitet und begleitet hat. Bei „seinen“ Kollegiaten sei ihm dabei allerdings nicht bange: Alle hätten in den 16 Kurswochen das erfolgreiche Auftreten im Berufsalltag erlernt.
Für Führungskräfte in der modernen Verwaltung sei es wichtig, auch mit den Ängsten und Emotionen der Menschen umgehen zu können. Nur so könne die Modernisierung gelingen, betonte der Rektor der Hochschule, Univ.-Prof. Dr. Hermann Hill, in seiner Ansprache, in der er auch ehemalige Kollegiaten und Angehörige in Speyer willkommen hieß. Er sei sicher, viele der Absolventen als Staatssekretäre und Minister wieder an der Hochschule, die mehr und mehr zur Begegnungsstätte für administrative Spitzengespräche werde, begrüßen zu können.
Für die Kollegiaten berichtete Baudirektor Henning Bick vom Regierungspräsidium Gießen über seine Erfahrungen. Bei den vielfältigen Themen des Kurses sei es schwierig, einzelne Highlights herauszustellen. Ganz besonders spannend seien aber die Ausführungen der Praktiker gewesen. Den hervorragenden Kontakten Siedentopfs sei es zu verdanken, dass als Gastreferenten Lothar de Maizière, der letzte Ministerpräsident der DDR, Staatssekretärin Brigitte Zypries, sowie Rainer Brüderle, MdL, gewonnen werden konnten. Siedentopf sei es mit „immensem persönlichen Einsatz“ gelungen, das IV. FKS mit Leben zu füllen. Als kleinen Dank überreichten ihm die Kollegiaten eine neuhochdeutsche Übersetzung des „armen Heinrich“.
Für die Träger des FKS - die Länder Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und die Bundesanstalt für Arbeit - überbrachte Dr. Rainer Frank, Leiter der Zentralabteilung der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, die Grüße von Ministerpräsident Beck. Die Verwaltung verfüge über gut ausgebildete Mitarbeiter. Auf diesen Lorbeeren dürfe sie sich aber nicht ausruhen. In den letzten Jahren habe es viele Veränderungen gegeben. Als Stichworte hierfür nannte Frank das neue Steuerungsmodell, die Neuordnung der Mittelinstanzen oder das neue Leitbild der Verwaltung. An den Führungskräften liege es nun, den Mitarbeitern die Angst vor der Verwaltungsmodernisierung zu nehmen und sie zu fördern. Die moderne Führungspersönlichkeit sei aufgeschlossen, innovativ, anpassungsfähig und flexibel. Dabei sei es wünschenswert, dass so viele Positionen wie möglich mit den FKS-Absolventen besetzt würden. Denn die Speyerer Einrichtung schneide besser ab als viele Führungskollegs der Länder. Das FKS zeichne sich besonders durch seinen Charakter als interdisziplinäre, länderübergreifende und berufsbegleitende Einrichtung aus. Der Hochschule dankte Frank für die Bereitstellung der Infrastruktur.
Als Anerkennung wertete es Siedentopf, dass die Träger in Zeiten knapper Kassen nicht nur den Fortbestand des FKS garantierten, sondern sich sogar noch mehr Plätze wünschten.
Da sich aber auch Führungskräfte nicht zu ernst nehmen sollen, sollte auch die Feier nicht zu ernst werden, so Siedentopf. Dafür sorgten mit humoristischen a-capella-Einlagen die vier Sänger des Collegium Vocalis, die die Gäste mit Liedern der Comedian Harmonists bis zu Songs von King Elvis musikalisch unterhielten.
Zur offiziellen Eröffnung des Sommersemester 2000 am 18. Mai, 19.30 Uhr, in der Stadthalle Speyer, konnte die DHV Speyer in diesem Jahr einen ganz besonderen Gast gewinnen: Univ.-Prof. Dr. Christian Kirchner, Inhaber des Lehrstuhls für deutsches, europäisches und internationales Zivil- und Wirtschaftsrecht und Institutionenökonomik an der Humboldt-Universität zu Berlin. In seinem Vortrag unter dem Titel „Die ökonomische Theorie des Rechts vor den Toren der Staats- und Verwaltungswissenschaft“ widmet er sich der Frage, welchen Beitrag eine neue Ökonomik zu einer modernen Staats- und Verwaltungswissenschaft leisten kann. Damit soll vor allem den Rechtsreferendaren, aber auch Verwaltungspraktikern, modernes ökonomisches Denken nahegebracht werden. Die DHV will auf diese Weise ihre interdisziplinäre Ausrichtung unterstreichen und verstärken.
In den vergangenen Jahren haben sich staatliche Instanzen immer
stärker privatrechtlich organisiert. Dadurch wurde das Verhältnis
zwischen Privat- und öffentlichem Recht neu bestimmt. Es stellt sich
die Frage, welche Bereiche dem staatlichen Handeln vorbehalten werden sollen.
Darf der Staat die nun privatrechtlich organisierten Aktivitäten weiter
kontrollieren und regulieren? Wenn nicht, welchen Zweck hat dann der Staat
überhaupt noch? Hier könnte die moderne Ökonomik einen Beitrag
leisten und eine Brücke zwischen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft
schlagen.
Der Rektor der Hochschule, Univ.-Prof. Dr. Hermann Hill, wird die Gäste
in der Stadthalle begrüßen. Im Anschluss an den Vortrag findet
ein Empfang im Foyer statt.
„Modernisierung als Entwicklungsstrategie“ ist das Symposium überschrieben,
das die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer am
kommenden Freitag und Samstag, 5./6. Mai, unter der wissenschaftlichen
Leitung von Univ.-Prof. Dr. Hermann Hill veranstaltet.
Namhafte Experten aus dem In- und Ausland werden verschiedene Aspekte der Modernisierung vorstellen. Prof. Dr. Wolfgang Zapf aus Berlin wird die Dimensionen des Begriffs klären, bevor Prof. Dr. Dr. Klaus König auf institutionalistische Aspekte der Modernisierung eingeht. Ob der Staat eher ein Modernisierungsträger oder Modernisierungshemmnis ist, erörtert Prof. Dr. Carl Böhret in seinem Vortrag, während Prof. Dr. Hermann Hill die Zukunftsperspektiven der Modernisierung erläutert. Auf Strategien der Modernisierung und die Modernisierung von Organisationen werden Prof. Dr. Guy Kirsch, Friboug/Schweiz, sowie Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Fürstenberg aus Bonn näher eingehen, bevor sich Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Hradil aus Mainz der Modernisierung moderner Gesellschaften widmet.
„Ist der Mensch modernisierbar“, ist der Vortrag des Speyerer Soziologen
Prof. Dr. Helmut Klages überschrieben, der im April seinen 70. Geburtstag
feierte. Bereits seit längerem befasst sich der international renommierte
Wissenschaftler mit den Hauptarbeitsschwerpunkten Wertewandel in der modernen
Gesellschaft, die bereits in einer großen Zahl von Büchern und
Tagungen ihren Niederschlag gefunden und der Entwicklung dieser zentralen
Gebiete für die Verwaltung und die Verwaltungswissenschaften einen
beträchtlichen Schub gegeben haben. Seit Mitte der 90er Jahre gilt
sein Interesse darüber hinaus vor allem der Verwaltungsreform. Hieraus
sind unter anderem die Speyerer Qualitätswettbewerbe hervorgegangen,
mit denen die DHV Speyer unter der Leitung von Klages und Hill besonders
leistungsfähige Verwaltungen auszeichnet und so anderen Verwaltungen
als nachahmenswerte Vorbilder präsentiert.
Daneben ist Klages Mit-Veranstalter der Speyerer Innovationsringe für
Stadtverwaltungen, Kreisverwaltungen, Bezirksregierungen sowie der Speyerer
Tagungen „Reform der Landesverwaltung“ und „Erfolgreiche Gestaltung von
Modernisierungsprozessen“.
Für 412 Rechts-, 13 Wirtschafts- und Verwaltungsreferendare sowie
37 Aufbauhörer hat mit der Antrittsversammlung das neue Semester begonnen.
Besonders hieß Hill die ausländischen Hörer, die aus 16
Ländern Europas, Afrikas, Asiens und Lateinamerikas stammen, willkommen.
Bürgermeister Hanspeter Brohm erläuterte den „Neubürgern
auf Zeit“ kurz die Geschichte der Domstadt, angefangen vom Dombau bis zur
2000-Jahr-Feier vor zehn Jahren. Dabei hob er besonders das kulturelle
Angebot, aber auch den Freizeitwert der Stadt hervor. Schließlich
besuchten 2,5 Millionen Besucher pro Jahr Speyer, das spreche für
sich.
Bei der anschließenden Vollversammlung der Hörerschaft wählten
die Studierenden – nach einem lautstarken Einzug der Kommilitonen des vergangenen
Semesters – den Hörersprecher und ihre weiteren Vertreter. Als Hörersprecherin
fungiert künftig Heike Duus, Regierungsreferendarin aus Berlin.
Als ihr Stellvertreter und Finanzreferent wurde Thorsten Herschke, Rechtsreferendar
aus Mecklenburg-Vorpommern, bestimmt.