Pressemitteilungen
 
  
Dezember 2000
Grundrechte in der EU stärken -Vortrag mit Prof. Jürgen Meyer, MdB,an der DHV Speyer
Talentschmiede für Verwaltungsmanager - Eröffnung des V. Führungskollegs der DHV Speyer
Nachhaltigkeit was ist das? - Vortrag mit Umweltministerin Klaudia Martini am 6.12.

  

Grundrechte in der EU stärken

Vortrag mit Prof. Jürgen Meyer, MdB, an der DHV Speyer

Die Europäische Grundrechtecharta ist eins der wichtigsten Themen der Regierungs­konferenz 2000 zur Reform der EU. Die Konferenz wird mit dem Europäischen Rat in Nizza, der vom 7.-9. November tagt, enden. Zum Abschluss soll die Grundrechtecharta feierlich proklamiert werden. Zwei Tage später, am 11. November, 14.30 Uhr, berichtet topaktuell Univ.-Prof. Dr. Jürgen Meyer, Mitglied des Deutschen Bundestages und des europäischen Grundrechtekonvents, bei der Veranstaltung „Europa aktuell“ an der DHV Speyer über seine Mitarbeit in diesem Gremium. Die Veranstaltung steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. Dr. Siegfried Magiera und dem Lehrbeauftragten Holger Raasch, Leiter der Arbeitseinheit Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt.

Der Entwurf für die Europäische Grundrechtecharta wurde von einem Konvent unter Vorsitz von Prof. Dr. Roman Herzog, Bundespräsident a.D. und früherer Speyerer Hochschullehrer, erstellt. An der Ausarbeitung waren auch die Vertreter der nationalen Parlamente und Regierungen sowie der Gemeinschaftsorgane beteiligt. Grundrechtsschutz in der EU wurde bisher vor allem durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs im Einzelfall gewährleistet. Mit der Charta soll nun der Grundrechtsschutz in der EU transparenter und systematischer gestaltet und mehr Rechtssicherheit erreicht werden. 

Bei seinem Vortrag wird Meyer auch auf  besonders umstrittene Themen wie etwa Fragen der sozialen Grundrechte, der Grenzen der Biomedizin sowie des künftigen rechtlichen Status der Grundrechtecharta eingehen. Im Anschluss besteht Gelegenheit zur Diskussion.

 

 


Talentschmiede für Verwaltungsmanager
Eröffnung des V. Führungskollegs der DHV Speyer

20 ausgewählte Führungskräfte aus der Verwaltung sollen zu modernen Verwaltungsmanagern ausgebildet und darauf vorbereitet werden, umfassendere Leitungsfunktionen zu übernehmen. – Das ist das Ziel des V. Führungskollegs Speyer (FKS), das am 7. Dezember, 14 Uhr, im Historischen Ratssaal der Stadt Speyer offiziell eröffnet wird. Damit beginnt zum fünften Mal seit der Gründung des FKS im Jahre 1991 ein neuer Kurs.

Sie wurden von den Ländern Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen, Saarland, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie von der Bundesanstalt für Arbeit für die Teilnahme bestimmt. In 16 Kurswochen, die über 30 Monate verteilt sind, sollen die Führungsfähigkeiten der Teilnehmer im Sinne eines modernen Verwaltungsmanagements weiterentwickelt werden. Dabei soll nicht nur Wissen vertieft, sondern auch Handlungsbereitschaft und Führungsfähigkeit verstärkt werden. Die behandelten Themengebiete reichen von „Führung und Leitung“ über „Organisation“, „Personal“, „Haushalt und Finanzen“ bis zu „Europäisierung und Internationalisierung“. Die Dozenten des FKS kommen aus der Verwaltungspraxis, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

Der Wissenschaftliche Beauftragte für das V. FKS, Univ.-Prof. Dr. Stefan Fisch, begrüßte die Teilnehmer. Die Kollegiaten seien Verwaltungsmitarbeiter, die bereits Führungserfahrung hätten. Diese solle verstärkt und erweitert werden. Besonders bemerkenswert sei, dass acht der 20 Teilnehmer und damit 40 Prozent Frauen seien. Dass neben den Juristen auch Architekten, Volkswirte, ein Ingenieur sowie eine Soziologin und eine Politologin teilnehmen, belege die interdisziplinäre Ausrichtung des FKS, der sich auch die Hochschule verschrieben habe, so Fisch.

Der Rektor der Hochschule, Univ.-Prof. Dr. Hermann Hill, begrüßte insbesondere auch die Leiter der früheren Kurse. In der heutigen Zeit sei lebenslanges Lernen gefordert. Insbesondere auch für Führungskräfte. Neben emotionaler Intelligenz, also Einfühlungsvermögen, der Fähigkeit, Situationen und Fakten einzuschätzen, der Bereitschaft Neues zu lernen, Vorstellungsfähigkeit und Flexibilität gehörten auch Kooperationsfähigkeit und der Umgang mit Misserfolgen zu den Fähigkeiten, die für moderne Führungskräfte unabdingbar seien. Den Kollegiaten wünschte er, diese Fähigkeiten in Einklang bringen zu können.

Der Chef der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Staatssekretär Klaus Rüter, überbrachte die Grüße der Landesregierung. Er betonte, wie wichtig die Speyerer Einrichtung für die Länder sei. In der Verwaltung habe sich seit Bestehen der Bundesrepublik viel verändert. Früher sei der Bürger Bittsteller gewesen und es habe ein starkes Obrigkeitsdenken geherrscht. Heute werde der Bürger als Kunde begriffen, der Servicegedanke stehe im Mittelpunkt. Durch die neuen Medien werde sich die Verwaltung - Stichwort E-Government - weiter verändern. Daher sei es auch im Personalmanagement nötig, auf diese Veränderungen zu reagieren, die Mitarbeiter in die Neugestaltungsprozesse mit einzubeziehen und zu motivieren. "Deshalb sind wir froh, dass wir das FKS haben", so Rüter. Er dankte den Kollegiaten, die sich der Mühe unterzögen, die berufsbegleitende Fortbildung zu absolvieren und wünschte dem V. FKS einen guten Verlauf.

Die Veranstaltung wurde musikalisch von der Big-Band des Kaiserdom-Gymnasiums umrahmt.


 


Nachhaltigkeit – was ist das?

Vortrag der DHV Speyer mit Umweltministerin Klaudia Martini

"Nachhaltigkeit - was ist das?" - Diese Frage beantwortete die rheinland-pfälzische Ministerin für Umwelt und Forsten, Klaudia Martini, bei ihrem Vortrag am 6.12. in der Stadthalle Speyer. Das Wort Nachhaltigkeit habe in den letzten zehn Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Meist werde es in Zusammenhang mit Entwicklungen gebraucht. In ihrem Vortrag ließ Martini die Geschichte der Umweltpolitik bis zur Weltumweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 Revue passieren. Seit den 60er Jahren sei der Umweltschutz zu einem der wichtigsten Politikfelder geworden. Allerdings sei er meist als Krisenmanagement auf Umweltkatastrophen wie Ölpest, Robbensterben, Waldsterben oder den Tschernobyl-Unfall betrieben worden. - Aber dennoch erfolgreich: Als Beispiel nannte Martini den Rhein. Vor 30 Jahren sei er tot gewesen, verschmutzt von Abwässern der Industrie und Gesellschaft. Inzwischen sei es mit einem "enormen Kraftakt", leistungsfähigen Kläranlagen und 12 Milliarden Mark Investitionen in den letzten 15 Jahren gelungen, den Rhein zu regenerieren. Heute lebten 120 Tierarten, darunter auch Lachse und Meerforellen in dem Fluss.

Spätestens seit den 70er Jahren sei aufgrund einer Untersuchung des Club of Rome klar geworden, dass die Ressourcen der Erde endlich sind. Dennoch habe es zunächst keine Umorientierung in der Politik gegeben. Erst seit der Konferenz von Rio seien nachhaltige Konzepte gefunden und festgeschrieben worden. Konkrete Ziele wie die Armutsbekämpfung, der Emmissionsschutz, die Artenschutzkonvention oder Waldschutz seien verankert worden. Die Konferenz habe erstmals wirtschaftliche, soziale und umweltpolitische Ziele zusammengeführt. Heute sei klar, dass ohne nachhaltige politische und gesellschaftliche Entwicklungen die Probleme der Zukunft nicht zu lösen seien. Wenn nichts geschähe, gebe es Kriege um Ressourcen. Umweltbewusstes Handeln mit Blick auf die künftigen Generationen sei ein "ethischer Imperativ". Dabei sei es wichtig, dieses Bewusstsein in die Köpfe der Menschen zu bringen. Jeder müsse sich fragen, was der versauerte Boden im Pfälzer Wald mit der eigenen Mobilität oder der eigenen Heizungsanlage zu tun habe, so Martini. Alles was bei uns geschehe, wirke sich global aus. So habe etwa das Verbot der Tiermehlverfütterung einen verstärkten Sojaanbau in der Dritten Welt und damit einhergehend die Abholzung von Regenwäldern zur Folge. Der Begriff Nachhaltigkeit komme aus der Forstwirtschaft: Er bedeute, dass man nur so viel Bäume aus dem Wald herausnehmen könne, wie wieder nachwachsen können, wenn man den Wald erhalten will. "Und das gilt schließlich für alle anderen Bereiche auch", schloss die Ministerin ihren Vortrag.

Der Vortrag der Ministerin habe eindringlich verdeutlicht, warum nachhaltiges Denken für die Zukunft notwendig sei, sagte der Rektor der Hochschule, Univ.-Prof. Dr. Hermann Hill. Aus den Ausführungen Martinis sei eine echte Sorge für die Menschen erkennbar.Gleichzeitig verabschiedete Hill an diesem Abend den langjährigen Honorarprofessor der Hochschule, Dr. Gottfried Herbig, feierlich aus seiner aktiven Lehrtätigkeit.

Prof. Dr. jur. Gottfried Herbig, Direktor a.D. der Deutschen Telekom AG und früherer Leiter des Geschäftsbereichs "Personal" war der Hochschule seit 1961, als er als Referendar ein "Speyer-Semester" absolvierte, freundschaftlich verbunden. Von 1968 bis 1970 war er als Regierungsassessor an das Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV) abgeordnet, wo er eine Untersuchung zu öffentlichen Einrichtungen im sozialen Rechtsstaat und einen Organisationsvergleich zwischen den Innenministerien der Länder verfasste. Seit dem Wintersemester 1975/76 war er als Lehrbeauftragter an der Hochschule tätig. Während dieser Zeit hat er zum erfolgreichen Start des verwaltungswissenschaftlichen Aufbaustudiums beigetragen und auch in der berufsbegleitenden Fortbildung für Führungskräfte der öffentlichen Verwaltung mitgewirkt. Auf Vorschlag des Senats der Hochschule hat ihn der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz im Dezember 1994 zum Honorarprofessor ernannt. Er ist durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Veröffentlichungen aus den Bereichen Personal und Organisation der öffentlichen Verwaltung ausgezeichnet, u.a. beschäftigte er sich mit Fragen des Personalvertretungsrechts, der Teilzeit im öffentlichen Dienst und der Korruption im öffentlichen Sektor. 1997 erhielt er u.a. für seine Forschungs- und Lehrtätigkeit an der DHV den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. 

Die DHV Speyer habe eine große Rolle in seinem Leben gespielt, betonte Herbig. Es habe ihn stets gereizt, die tägliche Berufsarbeit - sei es bei seiner Tätigkeit bei der Bezirksregierung Pfalz, im Landratsamt Kaiserslautern, im Innenministerium Rheinland-Pfalz oder bei der Stadt Frankfurt - mit der Wissenschaft zu verbinden. Seine Lehrtätigkeit an der DHV habe er als freimütigen und offenen Dialog erlebt.