Unter dem Titel „Gruppen in Organisationen“ findet vom 12.10. bis 15.10.1998 am Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung unter der Leitung von Prof. Dr. Rudolf Fisch, Dr. Dieter Beck und Dipl.-Psychologin Birte Englich eine internationale Expertentagung mit Vertretern aus Wissenschaft und Verwaltung statt. In diesem Jahr befasst sich das Forschungssymposium „Gruppen in Organisationen“ mit der Zusammenarbeit in Projektgruppen. Projektgruppen werden in der öffentlichen Verwaltung zunehmend eingesetzt, insbesondere bei Vorhaben der Verwaltungsmodernisierung. Dies hat seinen guten Grund: Vor allem für die Bewältigung von komplexen, innovativen Aufgaben gelten Projektgruppen als äußerst effektiv. Was aber gerne übersehen wird, ist, dass sich der Erfolg von Projektgruppen und Gruppenarbeit nicht von selbst einstellt. Um die Arbeit in Projektgruppen zu optimieren, sollen neueste Erkenntnisse der Forschung zur Dynamik von Projektgruppen und Erfahrungen aus dem Verwaltungsalltag einander gegenüber gestellt und integriert werden. So werden unter anderem Ergebnisse einer bundesweiten Studie der Speyerer Forschergruppe zum Einsatz von Projektgruppen in der öffentlichen Verwaltung vorgestellt. Weitere Themen sind die Erfahrungen verschiedener Bundesländer und von Organisationen der Wirtschaft mit dem Instrument der Projektgruppenarbeit. Aus sozialpsychologischer Sicht werden Grenzen und Potentiale der Zusammenarbeit ebenso dargestellt wie Ansätze zum Trainieren dieser Form der Zusammenarbeit; denn im Unterschied zu Sportmannschaften, für die ein Training des Zusammenwirkens als selbstverständlich angesehen wird, ist dies für die Einführung von Projektgruppenarbeit keineswegs der Fall.
Die Krise der Rentenversicherung ist in aller Munde: Schon längst
wird nicht mehr nur über Beitragserhöhungen und Leistungssenkungen
diskutiert, sondern von mehreren Seiten eine grundlegende Reform oder Abschaffung
des bisherigen Systems gefordert. 100 Jahre nach dem Tod des ersten Reichskanzlers
Bismarck steht die in seiner Regierungszeit geschaffene deutsche Altersversicherung
vor ernsthaften Legitimationsproblemen. Vor dem Hintergrund dieser Debatten
treffen sich Historiker, Sozialwissenschaftler, Juristen und Ökonomen
vom 14. bis 16. Oktober 1998 in Speyer, um über historische Entwicklungen
und gegenwärtige Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung zu diskutieren.
Die Forschungstagung findet auf Einladung des Forschungsinstituts für
öffentliche Verwaltung bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften
Speyer statt; sie wird geleitet von Prof. Dr. Stefan Fisch und Dr. Ulrike
Haerendel.
In einzelnen Beiträgen werden die Kontinuitäten und Veränderungen
des Rentenversicherungssystems vom ersten „Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz“
1889 bis heute vorgestellt. Die langfristige Entwicklung war dabei sowohl
von einer Einbeziehung immer weiterer Bevölkerungskreise wie auch
von einer steten Ausweitung der Leistungen gekennzeichnet. Nachdem das
Ende dieser Expansion offensichtlich erreicht ist, müssen sich die
Wissenschaftler auch die Frage stellen, ob das System in der Lage ist,
auf die neuen Herausforderungen durch eine „alternde Bevölkerung“
und die „Krise der Arbeitsgesellschaft“ angemessen zu reagieren.
Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht immer mehr die Frage, ob politische Handlungsdefite (auch) institutionell bedingt sind. Die in der Wissenschaft diskutierte Frage „Do institutions matter?“ hat damit - bezogen auf die Institutionen der politischen Willensbildung - praktische Relevanz. Zur Verbesserung von politischer Handlungsfähigkeit gibt es ganz unterschiedliche institutionelle Ansätze. Die Spannweite reicht von Vorschlägen, die das System für den Common Sense der Bürger durchlässiger machen wollen, über Reorganisationen, die eine klare Zurechnung politischer Verantwortung erlauben, bis hin zu Vorschlägen, die unabhängige, „nur der Sache verantwortliche“ Entscheidungs- und Kontrollgremien nach dem Vorbild der Bundesbank errichten oder die vorhandenen stärken wollen.
Genauso wichtig ist jedoch die weitere Frage, ob und wie gewünschte Änderungen von Institutionen auch praktisch durchgesetzt werden können. Können Reformen von den repräsentativen Körperschaften realistischerweise erwartet werden? Hier stellt sich die Frage, ob und inwieweit Volksbegehren und Volksentscheide zur Durchsetzung von Reformen in Betracht kommen. Direktdemokratische Elemente kommen damit unter zwei Aspekten ins Spiel: als Konkurrenzmechanismen zur repräsentativen Willensbildung und - sozusagen auf der Verfassungsebene - als Instrumente zur Durchsetzung institutioneller Reformen.
Steuern und Finanzen gehören historisch und praktisch zu den wichtigsten Aspekten staatlichen Wirkens. Ihnen wird im 2. Speyerer Demokratieforum ebenso der gebührende Raum gegeben wie einer Auswertung ausländischer Erfahrungen.
Die gegenwärtige Entwicklungsstufe der Informationstechnik wirft vielschichtige Fragen von großem verwaltungspolitischen Gewicht auf und macht deshalb gerade eine Fortbildung der Verwaltungsführung in diesem Bereich notwendig. Themen wie Verwaltungsmodernisierung, Finanzkrise der öffentlichen Haushalte, Wissensgesellschaft oder Internet sind als einschlägige Schlagworte zu nennen, welche die Diskussionen in der und um die öffentliche Verwaltung prägen.
Mit SpeBit hat die Hochschule ein Fortbildungsseminar in ihrem Programm, das diesen Bedarf decken will. Im Mittelpunkt steht die Gestaltung und Bewertung des Technikeinsatzes sowie seiner Potentiale und Folgen durch die Führung. Die Frage, wie die derzeit erarbeiteten Strategien der Verwaltungsentwicklung von entsprechenden Strategien der Informationssystementwicklung profitieren können, zieht sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.
Die Zielgruppe bilden Führungskräfte aus Ministerien, Inhaber entsprechender Positionen in Parlamenten und Gerichtsbarkeit sowie die Führungsspitze der Ober- und Mittelbehörden. Das Seminar wird erstmalig in zwei voneinander unabhängigen Teilen durchgeführt.
Nach der erfolgreichen Durchführung von Teil A, der vom 22. bis 24. April 1998 stattgefunden hat, stehen im Blickpunkt von Teil B der Standort Deutschland und die Rolle der Informationstechnik, die objektorientierte Informatik, die virtuelle Verwaltung am Beispiel des Informationsverbundes Berlin/Bonn, Aufgaben von Rechenzentren und IT-Abteilungen in einer dezentralisierten und vernetzten IT-Welt, internet-basierte Dienste in regionalen Netzen, Workgroup- und Workflow-Computing, Virtualisierung durch Computersimulation sowie die erfolgreiche Planung und Durchführung von EDV-Projekten. Hinzu kommt ein Open-End-Diskurs zum Thema „Muß die Führungskraft Computer selbst bedienen können?“ im Historischen Trausaal der Stadt Speyer.
Nach der Begrüßung und thematischen Einführung der Teilnehmer folgt ein Vortrag von Regierungsdirektorin Peters, Bundesministerium des Innern, zum Thema „Aufgabenkritik in der Bundesverwaltung“. Anschließend werden die Länderansätze vorgestellt und diskutiert. Die Vorstellung der Länderansätze wird am zweiten Veranstaltungstag fortgeführt, gefolgt von einem Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Gisela Färber, die die Bedingungen wirksamer Aufgabenkritik in den Blick nimmt. Die Arbeitstagung steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. Dr. Carl Böhret und wird von ihm gemeinsam mit Dr. Götz Konzendorf und Ass. jur. Tobias Bräunlein, Mag.rer.publ., durchgeführt.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Promotion zum Dr. iur. an der Universität Mainz habilitierte sich Professor Hill an der Universität Kiel für das Fachgebiet „Öffentliches Recht und Verwaltungslehre“. Nach Lehrtätigkeiten an den Universitäten Kiel, Göttingen und Münster wurde er zum Professor an der Universität Heidelberg berufen. Seit 1986 hat er den Lehrstuhl an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer inne. Von 1989 bis 1991 war er Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Rheinland-Pfalz.
Der Schwerpunkt der Arbeit von Professor Hill liegt auf dem Gebiet der Verwaltungsmodernisierung. Dabei geht es ihm vor allem um eine wechselseitige Durchdringung von Wissenschaft und Praxis sowie eine Integration rechtlicher, politischer, betriebswirtschaftlicher und organisationssoziologischer Aspekte. Daneben beschäftigt er sich mit Fragen des Informations- und Wissensmanagements sowie der Stadt- und Regionalentwicklung. Professor Hill ist Mitglied verschiedener Reformkommissionen in Bund und Ländern, u.a. des Sachverständigenrats „Schlanker Staat“ der Bundesregierung, sowie Mitveranstalter der Speyerer Qualitätswettbewerbe für öffentliche Verwaltungen.