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Wintersemester
2005/2006 Seminar
204
Vergleichende Verwaltungswissenschaft Dienstag,
19.00 - 21.15 Uhr, Hörsaal 3
Inhalt:
Wie in den USA hat sich auch in der Bundesrepublik Deutschland die
Verwaltungswissenschaft als ein eigenständiges Wissenschaftsfach
etabliert. Eher unklar und jedenfalls noch weithin vernachlässigt ist
aber die Rolle geblieben, die innerhalb der Grenzen des Fachs der
"Verwaltungsvergleich" einnimmt. Deutungsgehalt und Reichweite
der Vergleichenden Verwaltungswissenschaft unter den Bedingungen der
Globalisierung zu bestimmen, führt weit über eine vordergründige
Beschreibung und Zusammenschau der Verwaltungseinrichtungen im In- und
Ausland hinaus. An die Stelle bloßer Phänomenologie fremder Verwaltungen
sollten vielmehr angemessene Methoden einer theoretischen Unterlegung und
einer analytischen Einordnung des Gegenstandes der "Verwaltung"
in das Feld der deutschen Verwaltung bzw. "westlicher"
Verwaltungssysteme treten bzw. die entsprechende Gegenüberstellung zu
ihnen. Die deutlichen Tendenzen einer Internationalisierung aller
Verwaltungen und - durch den Prozess der Gemeinschaftsrechtssetzung und
-umsetzung bedingt - ihrer "Europäisierung" machen den Bedarf
an vergleichenden Aussagen und Erkenntnissen darüber hinaus evident. Zu
klären bleibt schließlich, was den Kern einer "guten Verwaltungsführung"
ausmacht.
Dementsprechend müssen überkommene Theorieansätze und auch der Kern
modischer "Governance"-Aussagen nachdrücklich überprüft
werden. Aufgabe der Vergleichenden Verwaltungswissenschaft ist es dabei,
auf der Basis der Ergebnisse empirischer Feldforschung
methodisch-theoretisch das Trennende, aber auch die Gemeinsamkeiten des
jeweiligen Verwaltungsgefüges im politischen, ökonomisch-sozialen und
kulturellen Kontext herauszuarbeiten. Methodisch geschieht dies im Seminar
u. a. am Beispiel der von ausländischen Aufbauhörern einzubringenden
Kenntnisse und Erfahrungen hinsichtlich der im Heimatstaat existierenden
Verwaltungsaufgaben, der Geschäftsprozesse in den Verwaltungen, der
Organisationsentwicklung und der Personalarbeit. Ergänzend treten
Vergleichsberichte der ausländischen Hörer über ihre Praktika in der
deutschen Verwaltung hinzu.
Didaktisches Konzept, Lehr- und Lernziele:
I. Verwaltungswissenschaftliche Grundlegung durch Referate und Diskussion
- Verwaltung als Bürokratie (Max Weber)
- "Public-Administration"-Lehre
- "Decision-making" (H. A. Simon)
- "Policy-making" (Morstein Marx)
- Systemtheoretischer Ansatz (D. Easton, N. Luhmann)
- Akteurzentrierter Institutionalismus und steuerungsbezogene
"Governance"
- Ökonomische Theorie der Verwaltung/"Public Management"
- Entwicklungsverwaltung und Verwaltung der Entwicklung
- "Capacity-building" und "good governance"
II. Methodendiskussion für die Vergleichende Verwaltungswissenschaft
- Vergleichende Methode in den Sozialwissenschaften
- Praxisvergleich
- Grundzüge der Methodik einer Vergleichenden Verwaltungswissenschaft
III. Länderberichte mit Erörterungen zu den Themenfeldern:
- Staats- und Verwaltungsmodernisierung/politische Dezentralisierung
- Struktur- bzw. Aufbauorganisation und Geschäftsprozesse
- Budget- und Ressourcenmanagement
- Personalarbeit
Sonstiges:
Für die Betreuung des Seminars stehen zunächst Herr Rechtsreferendar E.
Deutschmann (Tel.: 06232-654-454), im weiteren Verlauf des Semesters
sodann Frau Ass. iur. K. Schoppa (Tel.: 06232-654-320) bereit.
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Stand:
31.03.2006
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