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Entwicklungspolitik

II. Studienangebot

Seit 1982 führt die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften (DHV) Speyer zunächst in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung/Zentralstelle für öffentliche Verwaltung (DSE/ZÖV) in Berlin, dann mit der "Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH" (InWent) in Bonn ein Verwaltungswissenschaftliches Studienprogramm für ausländische Stipendiatinnen und Stipendiaten durch. Darüber hinaus bewerben sich auch von anderen wissenschaftlichen Einrichtungen und Stiftungen (z. B. Deutscher Akademischer Austauschdienst, Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Katholischer Akademischer Ausländer-Dienst) geförderte ausländische Interessentinnen und Interessenten. Insbesondere in den letzten Jahren sind unter persönlicher Betreuung durch den Lehrstuhlinhaber eine Reihe von Regierungsstipendiaten und selbstzahlenden Kandidaten mit mindestens einem wissenschaftlichen Studienabschluss („Master-Degree“) hinzugetreten. Viele dieser Interessenten weisen eine mehrjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der öffentlichen Verwaltung ihrer Heimatländer auf.

Jedes Semester studieren durchschnittlich 20-30 Hörerinnen und Hörer aus über 20 Nationen in Speyer, entweder im Ergänzungs- bzw. Aufbaustudium oder als Doktoranden. Neben dem Studium kommt es am Lehrstuhl in Zusammenarbeit mit zahlreichen Entwicklungsländern zu einer intensiven verwaltungs- und rechtswissenschaftlichen Weiterbildung und Beratung im Rahmen von Programmveranstaltungen („Besuchsprogramme“) und Auslandseinsätzen ("Projekte") sowie durch internatio­nale Begegnungen auf Kongressen („Speyerer Foren“) und in speziellen Werk­stattgesprächen ("Werkstattgespräche zur Entwicklungszusammenarbeit").

 

1. Verwaltungswissenschaftliches Ergänzungs- und Aufbaustudium

Die Zulassung ausländischer Bewerberinnen und Bewerber wird im Zusammenwirken mit dem Senatsausschuss für das Aufbaustudium der Hochschule im Rahmen des üblichen Zulassungsverfahrens zum Aufbaustudium (Dauer: 1 Jahr) bzw. zum Ergänzungsstudium (3 Monate) an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer von folgenden Kriterien abhängig gemacht:

  • Zulassungsvoraussetzung ist allgemein für alle ausländischen Bewerber bzw. Bildungsausländer, dass der im Ausland erworbene Bildungsnachweis zu einem deutschen Hochschulabschluss gleichwertig ist. Ein vergleichbarer Studienabschluss ist in aller Regel ein „Master-Degree“ in verwaltungsnahen Studienfächern. Weitere Zulassungsvoraussetzung ist die gute Beherrschung der deutschen Sprache.

  • Für die Teilnahme am Verwaltungswissenschaftlichen Studienpro-gramm bzw. im Rahmen des sog. Industrieländertrainings der InWent für Fach- und Führungskräfte aus Entwicklungsländern, das in das verwaltungswissenschaftliche Aufbaustudium in Speyer integriert ist, wird nach entwicklungspolitischen Kriterien eine Vorauswahl getroffen. Die fachliche Entscheidung über die Zulassung wird dann von Seiten der Hochschule nach den im ersten Punkt genannten Kriterien wahrgenommen. Alle anderen Bewerber richten ihre individuelle Bewerbung direkt an die Hochschule. Sie unterliegen dort dem regulären Zulassungsverfahren.

Zur Förderung der personellen Zusammenarbeit in der Entwicklungspolitik habe ich ein speziell auf ausländische Hörer zugeschnittenes Studiencurriculum entwickelt, das darauf ausgerichtet ist, die deutsche Verwaltung in Theorie und Praxis verwaltungsvergleichend näher zu bringen. Die dabei gesammelten Erfahrungen werden in speziellen Lehrveranstaltungen reflektiert. So lassen sich beispielsweise im Rahmen meiner Lehrveranstaltungen zur "Vergleichenden Verwaltungswissenschaft" spezifische entwicklungshemmende Problemfelder des Staats- und Verwaltungshandelns in den jeweiligen Heimatländern der ausländischen Hörer identifizieren. Dabei tragen diese und weitere Lehrveranstaltungen sowie eine themenbezogene Problematisierung in der abschließenden Magisterarbeit mit evtl. Vertiefung in einer anschließenden Dissertation zu entsprechenden Lösungshinweisen und Änderungsempfehlungen bzgl. der Entwicklungsverwaltung bei. 

Mit großem Kräfteaufwand ist es mir darüber hinaus in den vergangenen zwei Jahrzehnten gelungen, die Zusammenarbeit der Hochschule mit entwicklungspolitischen Institutionen wie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH sowie den Stiftungen auf eine tragfähige Grundlage zu stellen und diese für unser stark verwaltungswissenschaftlich-entwicklungspolitisch geprägtes internationales Studienprogramm (eingeschlossen darin auch das zweimonatige obligatorische Verwaltungspraktikum) fruchtbar zu machen.  Dabei wurde zunehmend und im Vergleich mit anderen westlichen Staaten die hiesige Weiterbildung von Führungskräften der Entwicklungsländerverwaltungen im Rahmen der personellen Zusammenarbeit sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgebaut und vor allem in den Kontext der jeweils einheimischen Führungskräfteentwicklung eingebunden. Dem diente auch das von mir entwickelte Nachbetreuungsprogramm.

 

2. Doktorandenstudium

Führungskräfteentwicklung für den Süden bedeutet in erster Linie, den Wettbewerb mit anderen Führungskräften zu suchen sowie zur Eigen-Qualifizierung herauszufordern. Hierfür wurde unter meiner Federführung seit 1989 ein spezielles Doktoranden-Studienprogramm an meinem Lehrstuhl eingerichtet.

Im Bereich der Forschung kann von der Hochschule auf Antrag als Promotionsbewerber angenommen werden, wer ein wissenschaftliches Studium auf dem Gebiet der Rechts-, Geschichts-, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften mit einem überdurchschnittlichen Examen abgeschlossen hat. Ausländische Bewerber haben zuvor in der Regel das Aufbaustudium erfolgreich absolviert.

Zum Promotionsstudium im skizzierten Sinne wurden in den vergangenen Jahren ausländische Doktoranden aus den Ländern Äthiopien, Bolivien, Brasilien, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea, Indien, Indonesien, Marokko, Mongolei, Pakistan, Russland, Südkorea, Taiwan, Thailand sowie aus der VR China und Tschechien zugelassen, von denen die Mehrzahl an meinem Lehrstuhl betreut worden ist bzw. wird.

Durch das Promotionsstudium und die wissenschaftliche Betreuung ergeben sich neben zahlreichen persönlichen Kontakten zwischen Doktorand und Doktorvater vor allem institutionelle Beziehungen des Lehrstuhls zu dem jeweiligen Entwicklungs- bzw. Schwellenland. Auf diese Weise wandelt sich die Betreuung der Dissertationen maßgeblich zu einem Prozess des Entwicklungsmanagements von Verwaltungsinstitutionen, die dem jeweiligen Herkunftsland des Doktoranden zugehören.

 

3. Mitwirkung am EMPA-Programm und am "CEPA"

Das Aufbaustudium findet seit 1991 eine internationalen Ergänzung in dem EMPA-Programm (European Masters of Public Administration), zu dem sich außer der Hochschule Speyer verschiedene Universitäten in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Finnland und Estland sowie in weiteren Staaten zusammengefunden haben. Das Programm sieht ein Auslandssemester an einer der Partneruniversitäten und nach Möglichkeit ein verwaltungsbezogenes Praktikum im Ausland vor. Es befindet sich noch immer in der Phase der Konsolidierung und konzeptionellen Weiterentwicklung.
Für die DHV Speyer habe ich darüber hinaus seit 2002 maßgeblich an der Verwaltungszusammenarbeit der Europäischen Union/EIPA (Maastricht) mit der VR China im Rahmen des "China-Europe-Program for Public Administration (CEPA)" zum Thema der Curriculum-Entwicklung im Verwaltungsrecht und in der Verwaltungswissenschaft sowie bei der chinesischen Führungskräfte-Entwicklung mitgewirkt (Kooperation mit portugiesischen, spanischen und britischen Kollegen/innen und mit der ENA).

 

Weitere Informationen stehen im Internet unter den
Studieninformationen der Hochschule zur Verfügung.

 

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Stand: 17.10.2008