Speyer, 17.11.2000
Olympischer
Geist weht in der Verwaltung
Hochschule Speyer zeichnet innovative Verwaltungen aus
Dabei sein ist alles – aber am Schluss können nur wenige auf dem
Treppchen stehen: Zwölf Verwaltungen aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz konnten beim fünften Speyerer Qualitätswettbewerb
durch besonders fortschrittliche Lösungen überzeugen. Sie werden
in diesem Jahr mit dem „Speyer-Preis“ für herausragende Lösungen
und Innovationen in der öffentlichen Verwaltung ausgezeichnet.
Die Preise werden im Rahmen eines Kongresses am 11. und 12. Dezember
2000 an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in
Speyer verliehen. „Die prämierten Projekte verbinden drei Stärken:
Sie sind innovativ, bereits praktisch umgesetzt und auf andere Verwaltungen
übertragbar“, erläutert Prof. Hermann Hill, der den Wettbewerb
zusammen mit Prof. Helmut Klages wissenschaftlich leitet. Gerade der Übertragbarkeit
der Konzepte komme eine besondere Bedeutung zu, denn aus guten Beispielen
lasse sich viel lernen: „Die Speyer-Preisträger sind Vorbild für
andere Verwaltungen und damit ein Motor der Verwaltungsmodernisierung“,
berichtet Helmut Klages.
62 Verwaltungen hatten sich in diesem Jahr in den sechs Themenbereichen
Bürgerorientierung, Electronic Government, Personalmanagement, Public
Private Partnership, Politik und Verwaltung sowie Wissensmanagement beworben.
Die eingehenden Bewerbungen wurden zunächst von einer Jury geprüft;
insgesamt beteiligten sich dabei in den sechs Arbeitsgruppen mehr als 50
Fachleute aus Wissenschaft und Praxis. 27 Beiträge konnten diese Hürde
nehmen und kamen in die engere Wahl. Sie wurden von Expertenteams vor Ort
erneut begutachtet. Schließlich erkannte die Jury 12 Verwaltungen
für preiswürdig. „Die Entscheidung unter den vielen sehr guten
Wettbewerbsbeiträgen war nicht leicht“, so Helmut Klages. Für
die Zukunft setzt der Speyerer Qualitätswettbewerb auf weitere Innovationen
und den Wettbewerb zwischen den Verwaltungen: „Damit der olympische Geist
möglichst viele Verwaltungen beflügelt und sie immer fortschrittlicher,
serviceorientierter und leistungsstärker arbeiten - zum Wohle der
Bürger.“
Erläuterungen zu den Preisträgern
für Bürgerorientierung:
- Bezirksregierung Arnsberg - Autobahnpolizei
- Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich
- Stadtgemeinde Schwechat
- Handwerkskammer Trier
für Bürgerorientierung und Electronic Government:
- Stadt Salzburg (für Bürgerorientierung
die Fremdenbehörde)
für Electronic Government:
- Parlamentsdienste der Schweizerischen Bundesversammlung
für Personalmanagement:
- Sektion Personalentwicklung
und Interne Kommunikation, Generalsekretariat Verteidigung, Bevölkerungsschutz
und Sport
- Gemeinde Pasching
- Staatskanzlei Schleswig-Holstein
für Politik und Verwaltung:
- Gemeindeverwaltung Baar
- Stadt Coesfeld
für Public Private Partnership:
- Freie Hansestadt Bremen / Informations- und Datentechnik
Bremen GmbH
für Wissensmanagement:
kein Preis
Bürgerorientierung
Bezirksregierung Arnsberg - Autobahnpolizei
Auf der Überholspur
Als Autofahrer ärgert man sich über zähflüssigen
Verkehr und Staus, von Unfällen möchte jeder verschont bleiben
und der Kontakt mit der Polizei sollte, wenn schon nicht vermeidbar, möglichst
reibungslos und in freundlicher Atmosphäre stattfinden. Die Autobahnpolizei
Arnsberg richtet ihre Arbeit strikt an solchen Erwartungen der Bürger
aus.
Die Autobahnbenutzer werden gezielt und professionell befragt, durch
ein gezieltes „Meinungsmanagement“ informiert und können sich an „Mobile
Wachen“ wenden.
Ordnungspartnerschaften (z.B. mit Feuerwehr, ADAC, Verband der Berge-
und Abschleppunternehmen, Zollfahndung, Raststätten etc.) sichern
eine reibungslose Kooperation und helfen zum Beispiel dabei, Staus zu vermeiden
oder zu verkürzen und Unfälle zu verhindern. Daneben tragen Qualitätszirkelarbeit
sowie die breite Information und Schulung der Mitarbeiter dazu bei, die
Ziele zu erreichen.
Besonders innovativ ist der Einsatz von elektronischen Streifenbelegen.
Mit einer Art Hand-PC gibt der Beamte vor Ort alle relevanten Daten ein
(wie lange dauerte die Zufahrt zum Einsatzort?; zu welchem Zweck erfolgt
die Fahrt? etc.). Die Daten werden direkt in das Managementinformationssystem
eingespeist und permanent ausgewertet, Maßnahmen daraus abgeleitet.
Insgesamt beeindruckte besonders die gelungene Bürgerorientierung
im Wege der systematischen Nutzung von Feedback und Verbesserung der kooperativen
Zusammenarbeit mit verschiedenen Beteiligten. Der Autobahnpolizei Arnsberg
ist es gelungen, Organisations-, Qualitäts- und Personalentwicklung
umfassend und ganzheitlich umzusetzen. Hervorzuheben ist ebenfalls die
hervorragende Koordination zwischen den Autobahnpolizeiinspektionen Nord
und Süd sowie die sehr gute Einbettung in die Modernisierungsprogramme
der Bezirksregierung Arnsberg und der gesamten Polizei Nordrhein-Westfalens.
Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich
Gut eingebunden
Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich hat trotz ihrer vorwiegend hoheitlichen
Leistungen einen vorbildlichen Prozess der Bürgerorientierung sowie
allgemeiner Verwaltungsreformen eingeleitet.
Neben der intensiven Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger
ist insbesondere die intensive Einbindung und Zusammenarbeit von Verwaltung
und Politik hervorzuheben. Die Reformen sind in eigener Regie auf den Weg
gebracht worden und werden von allen Beteiligten mit Nachdruck und Initiative
getragen, Korrekturen sind hierbei nicht verpönt.
Die Kreisentwicklungsplanung ist am Agenda 21-Konzept ausgerichtet.
Der Prozess ist breit angelegt und beteiligt die Bürger in Projekten
zum öffentlichen Personennahverkehr, Landwirtschaft, Weinbau/Tourismus/Kultur
sowie Energie/Bauen. Die Vernetzung mit anderen Behörden erscheint
ebenfalls innovativ.
Maßnahmen im Bereich der Verwaltung (Beschwerdemanagement, sehr
lange Öffnungszeiten, dezentrale Servicestellen, bindende Bearbeitungszeiten
u.a.) bieten den Bürgern ein Mehr an Servicequalität. Zu diesem
Zweck sind außerdem interne Struktur- und Ablaufveränderungen
erfolgreich durchgeführt worden. Die Bürgerinnen und Bürger
werden regelmäßig zu den Leistungen der Verwaltungen befragt.
Der Erfolg der Reformbestrebungen wird im gegenseitigen, kooperativem
Wechselspiel von Bürgern, Verwaltung und Politik gewährleistet.
Stadt Salzburg, Fremdenbehörde
Gut aufgenommen
Salzburg hat einen Ausländeranteil von 18,9%, praktisch jeder fünfte
„Salzburger“ ist damit ein „Fremder“. Die Fremdenbehörde der Stadt
Salzburg trifft die Entscheidung über Zuwanderung und die Verlängerung
von Niederlassungsbewillligungen. Innerhalb von nur wenigen Jahren gelang
es, in der Behörde eine Kulturänderung hin zu mehr Bürgerorientierung,
Verantwortung, Motivation und Flexibilität herbeizuführen. Die
ganzheitliche Haltung gegenüber den Kunden, die strategische Vorgangsweise
und die Berücksichtigung insbesondere der kulturellen Faktoren ist
innovativ und beispielgebend. Bemerkenswert ist die konsequente Serviceorientierung
und die völlige Neugestaltung der Abläufe (z.B. Verringerung
von Wartezeiten, umfassendes Informationsangebot), die neben der Freundlichkeit
und dem Engagement der Mitarbeiter dazu beiträgt, dass in Kundenbefragungen
exzellente Ergebnisse erreicht werden. Die Fremdenbehörde fungiert
als Schnittstelle zwischen verschiedenen beteiligten Behörden und
bindet Ausländerorganisationen und andere Organisationen umfassend
ein. Mitte Oktober 2000 wurde die Fremdenbehörde nach der neuen Norm
ISO 9001:2000 DIS zertifiziert. Der Nutzen der Arbeit der Fremdenbehörde
ist nicht zuletzt darin zu sehen, dass sie dazu beiträgt, den Gedanken
der Integration bereits im Behördenalltag Wirklichkeit werden zu lassen.
Stadtgemeinde Schwechat
Auf den Weg gemacht
In der Stadtgemeinde Schwechat wird in herausragender Weise auf die
Meinung und Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger Wert gelegt.
Mit diesen zusammen wurde ein Stadtentwicklungskonzept erarbeitet, das
Verwaltungsreform und Bürgerbeteiligungsmodell integriert. Grundlage
dieses Modells war die Befragung der Bevölkerung sowie die Vorarbeit
in einem Bevölkerungsarbeitskreis. Eine besonders zu würdigende
Besonderheit des Schwechater Beteiligungsmodells ist also, dass es selbst
das Ergebnis eines Beteiligungsprozesses ist und damit unter Mitwirkung
der Bürger zustande kam.
Bürgerbeteiligung wird in Schwechat gelebt. Das neue Verhältnis
zwischen Bürgern und Verwaltung basiert auf den vier Säulen Bürgerplanung,
Bürgergutachten, Bürgerkontrolle und Stadtpanel. Werden zum Beispiel
20 Unterschriften gesammelt, kann ein Bürgerinitiativantrag gestellt
werden. Jeder Bürger kann in verschiedenen Planungsgruppen aktiv mitarbeiten.
Die Bürgerplaner erarbeiten gemeinsam mit der Verwaltung Vorschläge
zur Problemlösung. Erscheint der Weg in die Verwaltung zu weit, können
Anliegen oder Probleme auf dem Stadtspaziergang an Politiker und Verwaltungsbeschäftigte
weitergegeben werden. Alle zwei Jahre werden zudem die Leistungen der Stadtverwaltung
im Schwechater Stadtpanel evaluiert. Weitere bürgerfreundliche und
bürgereinbeziehende Maßnahmen sind umgesetzt.
Alle Elemente des Schwechater Beteiligungsmodells sind ausgereift und
praktisch erprobt. Es zeichnet sich durch Ganzheitlichkeit, Innovation
und hohe Übertragbarkeit aus und entfaltet damit Vorbildcharakter
für andere Städte und Gemeinden. In Schwechat kann man sehen,
wie die „Bürgerkommune“ Wirklichkeit wird.
Handwerkskammer Trier
Maßgeschneidert
Die Handwerkskammer Trier stellt sich konsequent der Europäischen
Integration, den Veränderungen in der Gewerbestruktur und den Möglichkeiten
umweltbewussten Wirtschaftens. Ausgehend vom Qualitätsmanagement im
eigenen Haus hat sie die Krise als Chance genutzt und ihr Dienstleistungsangebot
kundenorientiert verbreitert.
Die Kammer nimmt eine führende Position durch die Zertifizierung
nach EN ISO 9001 ein, durch ihre Förderung und Begleitung von Handwerksbetrieben
mit Ökozertifizierung und bei einer spezifischen Beratung in wirtschaftlichen
Fragen. So bietet sie zum Beispiel Existenzgründern nicht nur besondere
Beratungsleistungen an, sondern befreit diese für eine Zeit lang von
der Beitragspflicht. Kundenorientierte Angebote, die flexible Organisation
und die weitgehende Technisierung erlauben vorbildlich niedrige Kammerbeiträge.
Der Reformansatz zielt daneben auch auf ein eigenständiges System
leistungsorientierter Anreizgestaltung für die Mitarbeiter ab.
Die Handwerksbetriebe als Kunden, die Mitarbeiter als Leistungsträger
und die Bürgerinnen und Bürger der Region profitieren am Erfolg.
So trägt die Handwerkskammer dazu bei, die Handwerkstradition mit
zukunftsorientierten Anpassungsnotwendigkeiten zum Nutzen der Region und
der Erhaltung ihres Arbeitsplatzangebots zu verknüpfen. Insgesamt
erscheint der Wandel der Handwerkskammer Trier zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen
über den Kammerbereich hinaus als anregend und vorbildlich.
Electronic Government
Die Stadtverwaltung Salzburg verfolgt seit längerem eine sehr ehrgeizige
Strategie zur Umsetzung von Electronic Government. Große Anstrengungen,
umfassende Vorbereitungen, eine hohe Innovationsbereitschaft und besondere
Kreativität waren die Ausgangsbasis für den Ansatz des Digitalen
Magistrats. Zum Januar 2000 führte das Amt für Datenverarbeitung
flächendeckend das Aktenverwaltungs- und Workflowsystem Akt 2000 ein.
Dieses System verkürzt Aktenläufe entscheidend und schafft die
Möglichkeiten, einen Akt durch mehrere Stellen gleichzeitig bearbeiten
zu lassen. Integriert in dieses System sind interne und externe Datenbanken,
eine digitale Stadtkarte sowie weitere graphische Informationssysteme,
die den Mitarbeitern eine Bearbeitung erheblich erleichtern und Abläufe
beschleunigen. Beispielsweise konnte durch den Akt 2000 die Verfahrensdauer
von Bauansuchen von 150 auf 50 Tage gesenkt werden. Die zeitliche Erfassung
der 20.000 lokalen Straßenschilder wurde auf ein Sechstel reduziert.
Dabei sind zeitgleich 6.000 Verkehrsschilder eliminiert worden. Mit speziellen
Erweiterungen können weitere Verwaltungsverfahren rasch über
das System Akt 2000 realisiert werden. Dies unterstreicht die hohe Übertragbarkeit
des Ansatzes insgesamt. Ebenso überzeugten die ergänzenden Aktivitäten
im Rahmen der Offensive egov2000: Service-Center, die Präsenz Salzburgs
im Netz (http://www.stadt-salzburg.at) und der neue Verwaltungs-Gateway.
Der digitale Magistrat ist sieben Tage in der Woche rund um die Uhr geöffnet.
Es gibt keine Wartezeiten. Der Status von Anfragen ist jederzeit abfragbar.
Erste Anwendungen ohne komplizierte Sicherheitszertifizierung können
elektronisch durchgeführt werden. Komplexere Anwendungen zur Kommunalsteuer
und zur individuellen digitalen Stadtkarte werden derzeit von ausgewählten
Testkunden intern wie extern erprobt. Das Gesamtsystem des Digitalen Magistrats
führt zu drastischen Beschleunigungseffekten, Qualitätsverbesserungen
sowie zu mehr Transparenz für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung.
Parlamentsdienste der Schweizerischen Bundesversammlung:
Bulletin 2000
Der heiße Draht zum Bürger
Beim Bulletin 2000 handelt es sich um ein Online-Produktionssystem,
mit dessen Hilfe das Plenarprotokoll des schweizerischen Parlamentes hergestellt
und multimedial publiziert wird. Bulletin 2000 erlaubt es, die Debatten
von National- und Ständerat binnen einer halben Stunde online über
Intranet und Internet (http://www.parlament.ch) zugänglich zu machen.
Das Bulletin bietet einen übersichtlich strukturierten Verhandlungstext,
der mittels Hyperlinks durch ein Maximum an Zusatzinformationen ergänzt
wird. Das Bulletin 2000 zeichnet sich besonders durch ein völlig neues
Konzept eines Stenographischen Dienstes aus. Statt stenographischer Mitschrift
wird der Redefluss digital als Tondateien aufgenommen. Ein Cutter im Ratssaal
verfolgt die digitale Aufnahme, zerschneidet die Beiträge in einzelne
Turnusse und ergänzt diese um Zusatzinformationen. Die gleichzeitig
in einem Schreibbüro separat arbeitenden Mitarbeiter des Bulletindienstes
fertigen aus den Audiodateien der einzelnen Turnusse die Rede binnen kürzester
Zeit in klassischer Textform. Der Redetext wird anschließend aus
den Turnussen zusammengestellt, um Hyperlinks ergänzt und binnen weniger
Minuten zur Veröffentlichung frei gegeben. Das Bulletin 2000 ist ein
multimediales Informationssystem unter Nutzung moderner Internet-Technologien.
Es kann ohne Medienbrüche und ohne Zeitverlust publiziert werden.
Die Internet-Publikation wird dabei zur Hauptfassung erklärt. Zusätzliche
Suchfunktionen mit linguistischen Finessen ergänzen das Angebot. Weitere
Erscheinungsformen wie CD-ROM und Druckfassung werden sekundär behandelt.
Insgesamt konnte die Veröffentlichungszeit für alle Medien erheblich
reduziert werden. Das Bulletin 2000 überzeugt durch einen hohen Innovationsgrad
mit sehr nachhaltiger Wirkung. Die Prozesse werden beschleunigt, die Publikationsfrist
reduziert und die laufenden Kosten gesenkt. Ebenso ist ein hoher Nettonutzen
für Bürger, Parlament, Regierung, Verwaltung und Journalisten
vorhanden. Demokratische Prozesse innerhalb des Parlamentes werden viel
schneller öffentlich und insgesamt transparenter. Zudem ist das Bulletin
eng an das gesamte Internetangebot der Parlamentsdienste angebunden und
mit der Geschäftsdatenbank sowie Audio- und Videoübertragungen
verknüpft.
Personalmanagement
Sektion Personalentwicklung
und interne Kommunikation, Generalsekretariat Verteidigung, Bevölkerungsschutz
und Sport
Wirkungsorientiert
Die Regierungs- und Verwaltungsreform der Schweizerischen Bundesregierung
hat zum Ziel, maßgeschneiderte Führungs- und Organisationsformen
nach den Prinzipien der wirkungsorientierten Verwaltungsführung umzusetzen,
neue Führungsinstrumente einzuführen und anzuwenden sowie ein
modernes Peronalmanagement zu ermöglichen. Mit dem neuen Bundespersonalgesetz
wurde ein gemeinsames personalpolitisches Dach neuer Art gezimmert. Weiterhin
wird die Personalbeurteilung auf die Grundlage von leistungsbezogenen Zielvereinbarungen
umgestellt. Mit einem neuen Lohnsystem wird eine stärkere Berücksichtigung
der individuellen Arbeitsleistung angestrebt.
Das departementübergreifende Management Development System konzentriert
sich darauf, das Potenzial der Führungskräfte zu erfassen und
zu entwickeln. Personalentwicklung soll in Zukunft bevorzugt Aufgabe der
Führungskräfte sein. Zur Verbesserung der Personalauswahl im
zivilen und militärischen Führungsbereich wurden Anforderungsprofile
erstellt, die beim Auswahlverfahren einen systematischen Abgleich von stellenbedingten
Anforderungen und individuellen Eignungen und Befähigungen ermöglichen.
Die Anforderungsprofile werden bei Reorganisationsmaßnahmen laufend
angepaßt.
Besonders beeindruckend ist die Innovativität, die hohe professionelle
Qualität und die hervorragende Vernetzung der Instrumente zur Potenzialidentifikation,
-evaluation und -entwicklung. Es handelt sich hier insbesondere um den
„Assessment Workshop“, den „Development Workshop“ und den „Negociation
Workshop“. Führungs- und Nachwuchskräfte durchlaufen sukzessive
diese drei Stationen, wobei Potenzial ermittelt, in Lernprozessen entwickelt,
über Feedbacks rückgekoppelt und mit der Qualifikationsnachfrage
in Verbindung gebracht wird. Sehr wichtig und innovativ ist die Vereinbarung
von „Learning Contracts“, die Transferprogramme auf der Grundlage der in
den Workshops erzielten Erkenntnisse enthalten, wie auch von abschließenden
Audits, deren Ergebnisse wiederum in Mitarbeitergespräche überführt
und zum Gegenstand von Zielvereinbarungen gemacht werden.
Höchst anerkennenswert sind in diesem Zusammenhang die eigenständige
Entwicklung von Beurteilungsdimensionen und –indikatoren, die ausgeklügelte
Projektorganisation, der Aufbau einer höchst innovativen Datenbank,
die sorgfältige Ausbildung von Assessor/innen und die ausgeprägte
Kundenorientierung im Dienst der Organisationseinheiten des Departements
und der Linienvorgesetzten. Bemerkenswert ist zudem die Bemühung um
eine fortlaufende, systematisch angelegte Programmevaluation auf der Grundlage
von Befragungen der Teilnehmer der Workshops wie auch der Kunden und die
Bereitschaft zur permanenten Selbstverbesserung unter Nutzung externer
Feedbacks.
Staatskanzlei Schleswig-Holstein
Gefordert und gefördert
Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat mit breiter Mitarbeiterbeteiligung
ein Leitbild erarbeitet, aus dem sie ein Modernisierungskonzept ableitete,
das Schritt für Schritt in konkrete Maßnahmen überführt
wird. Die Modernisierung des Personalmanagements war von Anfang an eines
von vier zentralen Modernisierungsfeldern.
Seit 1995 wurden mit der Novellierung des Beurteilungssystems, der
Einführung von Leistungs- und Beförderungsgrundsätzen, der
Erarbeitung eines Fortbildungskonzepts, einer sehr weitgehenden Arbeitszeitflexibilisierung,
der Reform des öffentlichen Dienstrechts (u.a. Einführung der
Führung auf Zeit und auf Probe) und der Einführung einer Stellenbewertung
strategische Innovationen durchgeführt, wobei die Konsequenz bemerkenswert
erscheint, mit der ungeachtet der Eigenständigkeit der Ressorts eine
flächendeckende Entwicklung im Bereich der gesamten Landesverwaltung
eingeleitet wurde.
Im Zentrum der systematischen Personalentwicklung steht die Leitidee,
dass die Vorgesetzten eine besondere Verantwortung für die Entwicklung
ihrer Mitarbeiter/innen tragen. Das „Anforderungsprofil für Führungskräfte“
ist für alle Ressorts verbindlich. Das „Mitarbeiter-Vorgesetztengespräch“
dient der Erörterung der Zusammenarbeit, der Förderung der beruflichen
Entwicklung der Mitarbeiter/innen und der Vereinbarung von Arbeitszielen.
Die „Rückmeldung“ baut auf einer Selbsteinschätzung der Führungskräfte
und einer gleichzeitigen Beurteilung durch die Mitarbeiter/innen auf. In
einem gemeinsamen Auswertungsgespräch werden Vereinbarungen über
die künftige Zusammenarbeit geschlossen. Im „Potenzialentwicklungsseminar“
können Führungskräfte und der Führungsnachwuchs ihre
Stärken und Schwächen kennenlernen; im anschließenden Fördergespräch
werden individuelle Förderpläne verabschiedet.
Beeindruckend ist die Konsequenz, diese Instrumente in der gesamten
Landesverwaltung einzuführen sowie die Umsicht, mit der die inzwischen
bereits weit gediehene Umsetzung eingeleitet wurde. Besonders erwähnenswert
erscheinen in diesem Zusammenhang die Durchführung von Mitarbeiterbefragungen,
die Instrumentenentwicklung im Rahmen von Workshops, die Vereinbarung einer
Pilotphase in 5 Behörden und die Schulung von Multiplikatoren/innen
inklusive der obersten Führungskräfte (StaatssekrätärInnen
und AbteilungsleiterInnen aller obersten Landesbehörden und LeiterInnen
der nachgeordneten Behörden). Sehr bemerkenswert ist der Nachdruck,
mit der die Landesregierung die Evaluierung der Maßnahmen eingeleitet
hat. Insgesamt ist das im ganzen hochinnovative Personalentwicklungskonzept
auf gutem Wege, sich zu einem verbindlichen Standardinstrumentarium in
der gesamten Landesverwaltung zu entwickeln.
Gemeinde Pasching
Rundum gelungen
Die kleine Gemeinde Pasching mit ca. 6.500 Einwohnern verfolgt seit
einigen Jahren eine konsequente bürger- und kundenorientierte Qualitätspolitik,
die für Gemeinden dieser Größenklasse höchst ungewöhnlich
ist.
In Pasching wurde eine „360o-Analyse“ durchgeführt, um kontinuierliches
Lernen in der Verwaltung zu fördern. Das Verfahren ist im privaten
Sektor bekannt - die pionierhafte Innovativität, Eigenständigkeit
und erfolgsbezogene Umsetzung, mit der es ohne möglichen Rückgriff
auf vergleichbare Anwendungsfälle im öffentlichen Bereich adaptiert
wurde, erscheinen preiswürdig.
Führungskräfte-Feedback und Mitarbeitergespräche sind
eingeführt, Selbst- und Fremdbewertungen werden ausgetauscht und miteinander
verglichen. Hierbei werden Kriterien des „idealen Vorgesetzen“ und des
„idealen Mitarbeiters“, wie auch konkrete Aufgaben-/Stellenbeschreibungen
zugrunde gelegt, die innerhalb der Gemeindeverwaltung unter breiter Mitarbeiterbeteiligung
erarbeitet wurden. Die Ergebnisse werden in Zielvereinbarungen umgesetzt.
In den Prozess fließen auch die Erwartungen und Meinungen der Kunden
ein, insbesondere Ergebnisse aus laufenden Publikumsbefragungen. Die personalwirtschaftlichen
Elemente der „360o-Analyse“ werden hierdurch in ein übergreifendes,
durch organisierte Kommunikationsprozesse vermitteltes Managementkonzept
eingebettet.
Es ist besonders hervorzuheben, dass dieses System bereits vollständig
umgesetzt ist und erfolgreich funktioniert. Es wird intern evaluiert, um
es zu verbessern und weiterzuentwickeln. Besondere Anerkennung verdienen
auch die Bemühungen der Gemeinde um die fortgesetzte Schulung der
MitarbeiterInnen und Führungskräfte, wie auch um die Entwicklung
gut lesbarer Vorbereitungs- und Schulungstexte. Die Gemeinde hat an allen
ihren Eigenentwicklungen einen Berater beteiligt, und ist damit ein nachahmenswertes
Beispiel einer produktiven und nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen der
Verwaltung und externem Sachverstand.
Politik und Verwaltung
Die Gemeinde Baar ist durch eine hohe Professionalität der Verwaltung
und eine starke Unternehmenskultur geprägt. Diese beiden Hauptmerkmale
ziehen sich durch alle Arbeitsbereiche, die im politisch-administrativen
System (Bürger – Gemeinderat – Gemeindeverwaltung) eine Rolle spielen.
Insbesondere ist die Gemeinde in ihrer obersten Führungsspitze, die
aus den sieben direkt gewählten Gemeinderäten (vergleichbar mit
dem deutschen Verwaltungsvorstand bzw. der Beigeordnetenkonferenz), und
dem Gemeindeschreiber (vergleichbar mit dem deutschen Gemeindedirektor)
besteht, durch eine ausgeprägte Konsenskultur und Kollegialität
in der Verwaltungsführung geprägt.
Baar ist eine der wenigen Gemeinden, in denen das Leitbild kein Papiertiger
bleibt, sondern täglich gelebt wird. Es herrscht eine hohe Identifikation
unter den verschiedenen „Stakeholders“ der Gemeinde. Diese Bedingungen
machen sich im Ergebnis auch im Auftritt gegenüber den Bürgern
bemerkbar. Baar hat unter Beweis gestellt, dass unter bestimmten Bedingungen
auch ohne einen Rat, d.h. ohne ein „Parlament“ die demokratische Legitimierung
kommunalen Handelns sichergestellt und die Instrumente der direkten Demokratie
optimal genutzt werden können. Beispielsweise sind Ansätze des
in Deutschland angestrebten „Bürgerhaushalts“ hier längst Routine.
Wenngleich die direkte Bürgerbeteiligung in der schweizerischen Gemeindeverfassung
ohnehin festgeschrieben ist, ihre Umsetzung ist als gelungen und vorbildlich
anzusehen.
Stadt Coesfeld
Das Ganze im Blick
Die Stadt Coesfeld hat einerseits durch den Rückzug des Rates aus
laufenden Geschäften, andererseits durch seine starke Konzentration
auf die strategische Steuerung, Ressourcen freigesetzt und eine Professionalisierung
der administrativen und der politischen Führung ermöglicht. Beeindruckend
ist, wie in Coesfeld Rat, Bürger und die Verwaltung gemeinsam agieren,
um die typischen Schwachstellen im kommunalen Zusammenspiel gezielt zu
verbessern. Die Zusammenarbeit von Rat und Verwaltung wird nicht nur als
Haupt-Erfolgsfaktor für eine neue Steuerung erkannt, sondern gezielt
in alle Reform- und Entwicklungsaktivitäten der Stadt einbezogen.
Dabei wurde zunächst die traditionelle Ämterstruktur zu Gunsten
einer Fachbereichsorganisation mit 10 Fachbereichen aufgegeben sowie eine
dementsprechende Neuordnung der politischen Ausschüsse vorgenommen.
Weiteres wesentliches Merkmal ist eine starke, fraktionsübergreifende
Konsenskultur auf der administrativen und auf der politischen Ebene. Diese
manifestiert sich in Form verschiedener Bausteine, die z.B. feste Spielregeln
im Umgang von Rat und Verwaltung, Sitzungsmanagement von politischen Gremien
und regelmäßige Politik-Verwaltungs-Konferenzen beinhalten.
Mit Hilfe der Breite der Innovationen und der Experimentierfreude des Coesfelder
Rates hat die Stadt Coesfeld formelle und informelle Institutionen geschaffen,
die auf tiefgreifende Verbesserungen nicht nur punktueller Art, sondern
des gesamten politisch-administrativen Systems abzielen.
Public Private Partnership
Freie Hansestadt Bremen / Informations- und
Datentechnik Bremen GmbH (ID Bremen)
Gemeinsam stärker
Die ID Bremen ist ein gemischtwirtschaftliches Unternehmen, an dem die
Freie Hansestadt Bremen mit 50,1,% und die debis Systemhaus GmbH mit 49.9%
beteiligt sind. Die ID Bremen ist aus einem früheren Bremischen Landesamt
für Datentechnik, das 1994 in einen Eigenbetrieb umgewandelt worden
ist, hervorgegangen. Bremen hat in die ID Bremen neben Anlagevermögen
auch 130 Beschäftigte eingebracht, die mit weitgehendem Bestandsschutz
in die neue GmbH übergeleitet worden sind.
Beide Partner haben mit der Sicherung der strategischen Ziele der Freien
Hansestadt Bremen (u.a. Ausbau von Bremen als IT-Standort, Arbeitsplatzsicherung
der Beschäftigten) und der Führungsrolle von Debis im operativen
Geschäft eine tragfähige strukturelle Lösung gefunden.
Das bei den ehemaligen Bremischen Mitarbeitern vorhandene spezifische
Wissen des öffentlichen Sektors ergänzt sich gut mit dem Systemwissen
von Debis; auch in der Zukunft sind weitgehende Synergien zu erwarten.
Die IDB hat gute Marktchancen in öffentlichen Einrichtungen außerhalb
von Bremen.
Die ID Bremen ist ein sehr interessanter, gelungener Fall von public
private partnership mit Vorbildfunktion für den öffentlichen
Sektor. Positive Chancen der Übertragbarkeit könnten sich zum
Beispiel mit Blick auf Rechenzentren und ähnliche professionelle Dienstleister
ergeben, die bisher in öffentlicher Regie arbeiten.
Das Konzept der ID Bremen passt sich gut in die Gesamtreformstrategie
der Freien und Hansestadt Bremen ein. Eine motivierte Führungscrew
hat nach einer umfassenden Vorbereitungsphase den Sprung zur Partnerschaft
mit einem großen Privatunternehmen geschafft. Es scheint Bremen zu
gelingen, mittelfristig nicht nur Arbeitsplätze zu sichern, sondern
auch weitere strategische Ziele durchzusetzen.
„Speyerer Qualitätstage“:
Abschlusstagung aus Anlass der Preisverleihung
zum 5. Speyerer Qualitätswettbewerb 2000
11. bis 12. Dezember 2000, Stadthalle Speyer
Wissenschaftliche Leitung: Univ.-Prof. Dr. Hermann Hill, Univ.-Prof. Dr. Helmut Klages
| Montag, 11.12.2000 | |
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13.30 Uhr |
Begrüßung der Teilnehmer durch den Rektor der
Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer
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13.40 Uhr |
Grußworte an die Teilnehmer aus Österreich
|
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13.50 Uhr |
Grußworte an die Teilnehmer aus der Schweiz
|
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14.00 Uhr |
The Common Assessment Framework of the EU – Conception and
First Experiences
|
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14.30 Uhr |
Konzept und Verlauf des 5. Speyerer Qualitätswettbewerbs |
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14.50 Uhr |
Übergabe der Urkunden an die Teilnehmer und Laudationes durch den Rektor der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften |
|
15.10 Uhr |
Pause |
|
15.30 Uhr |
Arbeitsgruppe „Bürgerorientierung“
|
|
17.00 Uhr |
Pause |
|
17.15 Uhr |
Arbeitsgruppe „Electronic Government“, „Public Private Partnership“
und „Wissensmanagement“
|
|
18.45 Uhr |
Empfang der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer |
|
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Dienstag, 12.12.2000 |
|
|
8.30 Uhr |
Arbeitsgruppe „Personalmanagement“
|
|
10.00 Uhr |
Pause |
|
10.15 Uhr |
Arbeitsgruppe „Politik und Verwaltung“
|
|
11.45 Uhr |
Pause |
|
12.00 Uhr |
Podiumsdiskussion mit internationaler Beteiligung |
|
13.00 Uhr |
Ende der Veranstaltung |
Arbeitsgruppen
|
Bürgerorientierung |
|
|
Electronic Government, Public Private Partnership und Wissensmanagement |
|
|
Personalmanagement |
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Politik und Verwaltung |
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